Folia Theologica 18. (2007)
Mihály Kránitz: Heilige Elisabeth (1207-1231) als Vertreter des Treffens der verschiedenen christlichen Kulturen in Thüringen im 13. Jahrhundert
HEILIGE ELISABETH ALS VERTRETER DES TREFFENS 115 verhindert. Demzufolge hat Heiliger Stephan die selbständige kirchliche Struktur in Ungarn ausgebaut. Kirchliche Struktur bedeutete bei der damaligen administrativen Schwäche des weltlichen Staates Erschliessung des Landes, Erziehung der Menschen zu gesitteter Ordnung durch ihre Verankerung im christlichen Weltbild. Eine stabilere Ordnung als die aus der Religion abgeleitete konnte es nicht geben, zumal in jenen wilden und halbbarbarischen Zeiten. Die Gemahlin vom heiligen Stephan, des ersten ungarischen Königs war Gisela von Bayern (um 985-1060). Die erste Königin von Ungarn war eine zielbewusste, aktive Mitstreiter von Stephan in der gigantischen Arbeit der Reichsgründung und im Aufbau der katholischen Kirche in Ungarn; sie hatte ihre eigene Machtstellung als gesalbte regina Hungáriáé. Stephan, diese weit herausragende Gestalt der ungarischen Geschichte handelte stets suverän, gestärkt durch die tatkräftige, treue Gemahlin und Gefährtin, die tief gläubige deutsche Frau, schuf unser erster König mit eiserner Hand das stabile, zentral regierte, über ein halbes Jahrtausend durch keine Staatskrise geschüttelte Ungarnreich, eine europäische Grossmacht. Die Nachbarn, Ungarn und Bayern knüpften die politischen, dynastischen und kulturellen Bande immer weiter. Einmal in der ungarischen Geschichte schmückte die Stephanskrone das Haupt eines Bayernfürsten, es war Otto von Wittelsbach, Anfang des 14. Jahrhunderts (1305-1307). Etwa ein Jahrhundert davor ist im Jahre 1207 die heilige Elisabeth geboren. Die Eltern gaben ihrer Königstochter einen besonderen Namen: Elisabeth - so wie die Mutter Johannes der Täufers hiess.4 Ihre Eltern waren König Endre (Andreas 1176-1235) II. von Ungarn und Gertrud von Meranien (1185-1213). Meranien hatte bis 1180 zu Bayern gehört. Die Grafen von Andechs wurden 1180 Titul4 Vgl. KIEL, E., A szeretet nagy szentje: Arpádházi Erzsébet (Die grosse Liebende: St. Elisabeth, Sankt Benno Verlag, Leipzig 1966.), Szent István Társulat, Budapest 1970 (Erzsébet a magyarok és a németek szentje — Elisabeth die Heilige der Ungarn und der Deutschen: pp. 15-26).