Folia Theologica 18. (2007)
Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven
112 Zusammenfassung Eine synergetische Sicht der Wirklichkeit ergänzt und vereinigt bisher nicht kompatible Wirklichkeitsdeutungen: naturphilosophisch ergänzt sie die Deutung durch formale Naturgesetze oder durch Evolutionsthesen der Selbstorganisation, indem das unmittelbare Ziel synergetischen Wirkens potentielle dynamische Ablaufmuster darstellen, die in sich konsistent und naturgesetzlich determiniert sind; erst das mittelbare Ziel sind die sowohl energetisch „von unten" als auch aktpotentiell „von oben" ausgelösten Effekte an sichtbaren Elementen, etwa einer lebendigen Zelle. Dadurch weist die Synergetik auch den Weg zur Vereinheitlichung der quantenphysikalischen und klassischen Beschreibung der Wirklichkeit. Schließlich vereinigt sie die prinzipiell unterschiedlichen philosophischen Strömungen einer „Seins"- und einer „Geschichtsphilosophie" und hilft sogar bei der Lösung theologischer Probleme, etwa betreffs der Synergie von göttlichem und menschlichem Wirken. Nicht zuletzt rehabilitiert die Synergetik die metaphysische Co-Deutung der Wirklichkeit, um ein Gespür für das metaphysische Wirken zu bekommen: es ist offenkundig immer dann am Werk, wenn der natürliche Automatismus der Konsensualisierung wie von selbst auftritt.