Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

114 I. KONCSIK werden (RM 20). - Ist somit ekklesiologisch eine pluralisierende Reich-Gottes-Theologie gefragt? Jedenfalls wird eine „geheimnisvolle Verbundenheit" zwischen Kirche und Nichtchristen attestiert (vgl. RM 10). Das meint wohl eine Verbundenheit als Menschheit und als Reich-Gottes-Anwärter und darin als Partizipanten am heilsgeschichtlichen Dialog aller Menschen mit Gott. Sie wird näher hin als „ordinantur" (LG 1; RM 20: Hinordnung aller auf die Kirche hin) qualifiziert. Davon zu un­terscheiden ist das „besondere Band zwischen Kirche und Reich Gottes" (RM 18) als Kommunion, was mit dem Terminus „con- junctur" (Verbindung) belegt wird. Denn: aus dieser Verbunden­heit resultiert ja die „spezifische und notwendige Rolle" der Kirche (RM 18). Die enge ekklesiozentrische Perspektive von Redemptoris Mis­sio sollte dogmatisch in einen größeren Rahmen integriert, darin entfaltet und konsequent reflektiert werden, was bislang unter­blieben ist. Denn aus der Differenz zwischen Reich Gottes und Kirche ergeben sich bereits christologisch Probleme: Christolo- gisch kann der Differenzierung zwischen Reich Gottes und Kirche (als Effekte des Wirkens des Sohnes) eine Differenz zwischen dem Heilshandeln des inkarnierten Wortes und der umfassenden Öko­nomie des ewigen Wortes zugeordnet werden - das ergibt jedoch einer Kollision mit der häretischen „Zwei-Söhne-Lehre", wenn die unterschiedlichen Effekte auf unterschiedliche Gründe reduziert werden. Ekklesiologisch wird dabei eine Gratwanderung zwischen dem Absolutheitsanspruch der katholischen Kirche und ihrer pluralisti­schen Relativierung praktisch und theoretisch zu bewerkstelligen sein - ein Unterfangen, dessen Gelingen entscheidend von der neu­traler Haltung verpflichteter Wissenschaftlichkeit in der Deskrip­tion des jeweiligen Aussagegehalts abhängt, ohne in vorschnelle emotionale Wertungen zu entgleiten. Schließlich werden substan­tielle Elemente katholischer Ekklesiologie näher zu reflektieren sein - neben den bereits oben genannten auch die klassischen „Notae Ecclasiae" sowie die apostologische Sukzession. Denn: „Jede andere christliche Gemeinschaft vermag demgegenüber zu sagen, wann, wo, von wem und warum sie begründet worden ist, d.h. sich von

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