Folia Theologica 12. (2001)

Zoltán Rokay: Die Selbstverwirklichung des Menschen in der Philosophie von J. G. Fichte

DIE SELBSTVERWIRKLICHUNG DES MENSCHEN 49 len heiße, wird als bekannt vorausgesetzt, dieser Begriff ist keiner Realerklärung fähig, und er bedarf keiner. Jeder muß in sich selbst, durch intellektuelle Anschauung, innewerden, was er bedeute, und er wird es ohne alle Schwierigkeit vermögen."67 68 „Inwiefern... das Wollen ein absolutes, und erstes ist, ist es schlechthin nicht aus dem Einflüsse eines Etwas außer dem Ich, sondern lediglich aus dem Ich selbst zu erklären; und diese Absolutheit desselben wäre es, die nach Abstraktion von allen Fremdartigen übrigbliebe."69 Ich habe es gewagt, die Hypothese aufzustellen, daß auch die Bestimmung des Menschen in geistiger Verwandtschaft zur WNM steht. Keineswegs ist der Einfluß des gleichnamigen Werkes des „göttlichen Spalding" (so nennt ihn Lavater) zu leugnen.70 Aber die Betonung des Willens (und wie wir es später sehen werden, der Ge­danke des Zweckbegriffes) weisen in die Richtung der WNM. Fich­te sagt am Anfang der Bestimmung des Menschen (BdM): „Ebenso begreiflich wird in diesem Lehrgebäude die bekannte Erscheinung in unserem Bewußtsein, die wir Willen nennen. Ein Wollen ist das unmittelbare Bewußtsein der Wirksamkeit einer unserer innern Na­turkräfte. Das unmittelbare Bewußtsein eines Strebens dieser Kräfte gehemmt wird, ist im Bewußtsein Neigung, oder Begierde; der Kampf der streitenden Kräfte Unentschlossenheit, der Sieg der ei­nen, Willenentschluß."71 „Der reine Wille ist das lebendige Prinzip der Vernunft, ist selbst die Vernunft, wenn sie rein und unabhän­gig aufgefaßt wird; die Vernunft ist durch sich selbst tätig; heißt: der reine Wille, bloß als solcher wirkt und herrscht."72 Aus der scheinbaren Dichotomie vom Willen und Tat resultiert meine Zugehörigkeit zweier Ordnungen: „Ich bin Glied zweier Ordnungen; einer rein geistigen, in der ich durch den bloßen rei­nen Willen herrsche, und einer sinnlichen, in der ich durch meine Tat wirke."73 Durch den betonten Primat des Willens wird die scheinbare Dichotomie aufgelöst: „Mein Wille, den ich selbst, und 67 SSLS.18. 68 Ebd. S.19. 69 Ebd. S.25. 70 Vgl. Studien zur Geschichte des neueren Protestantismus, hrsg. Heinr. Hoff­man u. Leopold Zscharnack, Gießen 1908, S.7. 71 BdM (Zweifel) S.23. 72 Ebd. (Glaube) S.89. 73 Ebd. S. 124.

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