Folia Theologica 12. (2001)

Zoltán Rokay: Die Selbstverwirklichung des Menschen in der Philosophie von J. G. Fichte

48 Z. ROKAY ist nur angedeutet und entworfen... Jedes Tier ist, was es ist; der Mensch allein ist ursprünglich nichts. Was er sein soll, muß er wer­den. Die Natur hat alle ihre Werke vollendet, nur von dem Men­schern zog sie die Hand ab, und übergab ihn gerade dadurch an sich selbst. Bildsamkeit als solche ist der Charakter der Mensch­heit."59 4. Die Ursprünglichkeit des Wollens Wollen als Bedingung der Möglichkeit der Anschauung und Erklärungsgrund des Objekts „Das Wollen kann nicht abgeleitet werden; nur in der Anschau­ung nachgewiesen werden. Es ist etwas ursprüngliches, es ist das allererste und unmittelbarste."60 Im Wollen liegt „das Objekt schon drinnen"61 „Sonach ist mit der Reflexion auf ein Wollen auch die Reflexion auf ein Sein angeknüpft... Wollen und Sein ist eins und ebendasselbe,... Das Wollen ist... selbst objekt."62 Fichte betont diese Ausschließlichkeit des Wollens als Erklä­rungsgrund auch in der NR; er sagt „daß ein vernünftiges Wesen nur im Wollen unmittelbar sich wahrnimmt, und sich nicht... wahr­nehmen würde... wenn es nicht ein praktisches Wesen wäre."63 „Das Wollen ist der eigentliche wesentliche Charakter der Ver­nunft."64 „Alle anderen Versuche, das Ich im Selbstbewußtsein zu deduzieren, sind verunglückt, weil sie immer voraussetzen müssen, was sie deduzieren wollen."65 Hier finden wir die Verknüpfung zur Anschauung, und zwar, wie es sich zeigt, zur intellektuellen: „Das Anschauen und das Wollen geht dem Ich weder vorher, noch nach­her, sondern es ist selbst das Ich."66 Im System der Sittenlehre kehrt dieser Gedanke des Wollens zu­rück: „Ich finde mich selbst, als mich selbst wollend."67 „Was Wol­59 Die Grundlage des Naturrechts. (Meiner) S.79f. 60 WNM GA IV,2. S.113,25f. 61 Ebd. S.153,3. 62 Ebd. S.153,28-33. 63 NR (Meiner) S.21. 64 Ebd. 65 Ebd. 66 Ebd. S.22.

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