Folia Theologica 12. (2001)
Imre Koncsik: Der analoge Realismus als Fundament der Christologie Karl Rahners?
150 I. KONCSIK scher Ansatz wird favorisiert, weil die Selbst gewissheit des Menschen als Ausgangspunkt der transzendentalen Reflexion gewählt wird. Beruht jedoch der anthropologischer Ansatz nicht ursprünglicher auf einer Vorentscheidung des Menschen, was er als gewiss erachten will - das nicht einfach gleichbedeutend ist mit dem, was wirklich gewiss ist, sich also nicht mit seiner apriorischen Vorentschiedenheit decken muss? Könnte nicht auch Gottes Wirklichkeit das ursprünglich gewisseste sein, ohne die gar keine Gewißheits- heitsfrage stellbar wäre?40 Was ist gewisser: das begrenzte eigene Menschsein oder das es umfassende unbegrenzte Sein Gottes? Reflektiert der Mensch auf sein begrenztes Menschsein, so erfasst er quasi als personal wirkenden Möglichkeitsgrund das unbegrenzte Sein Gottes41, und umgekehrt - in analoger Einheit. Diese analoge Einheit ist im eigentlichen Sinn gewiss! So muss das eigene Menschsein auch nicht „transzendiert" werden auf ein „ganz anderes", sondern das begrenzte Sein wird analog auf das unbegrenzte Sein überschritten. Der Mensch fällt nie und an keiner Stelle aus dem Sein heraus. Daher kann statt Transzendierung auch „Verinnerlichung" gesagt werden: am ursprünglichsten ist die analoge Einheit von Gott und Mensch und nicht ihre Differenz. Die Konsti- tuentien der analogen Einheit sind nie „an sich" gewiss42, sondern nur in ihrer relationalen Gewiesenheit im apriori ermöglichten „Ereignis" der durch sie ausgespannten Wirklichkeit des Menschseins43. Beim rahnerschsen Grundansatz stellt sich ein weiteres Problem: „transzendental" kann formal verstanden werden, als ob ein 40 In diese Richtung tendiert sogar Rahner: „Mensch ist für diese Grundkonzeption nicht das in sich Selbstverständliche’, sondern genau das, was wird, wenn und insofern Gott sich selber aussagt, ist gerade in einem Frage und auch Antwort Gottes, in der sich Gott selber ausspricht... Die Inkarnation ist nicht so sehr ein in seiner Faktizität einfach anzunehmendes raum-zeitliches Ereignis, sondern der geschichtliche Höhepunkt eines transzendentalen, wenn auch freien Verhältnisses Gottes zum Nichtgöttlichen, in das Gott, dieses Nichtgöttliche selber setzend, eingeht, um darin selbst seine eigene Geschichte der Liebe zu haben.“ (Sehr. X, 233). 41 Vgl. Sehr. I, 192 42 Daher wird auch die „Unbegreiflichkeit“ Gottes als seine primäre Eigenschaft herausgestellt (Sehr. IX, 224). 43 Sehr. IV, 154, nach der die „Selbstaussage des Wortes Gottes und seine Ver- nommenheit“ „eins“ werden.