Folia Theologica 12. (2001)
Imre Koncsik: Der analoge Realismus als Fundament der Christologie Karl Rahners?
DER ANALOGE REALISMUS ALS FUNDAMENT 149 nicht so weit - nicht bis zur Substanz des Seins, sondern gemäß den eigenen Prämissen nur bis zum Begriff / der Idee des Seins: hier droht Gefahr, beide entweder voneinander zu trennen und einem von beiden die Vorrangstellung zuzusprechen, oder beide in ein indifferentes Verhältnis zueinander zu setzen. Dennoch wird auch hier ihre reale - nicht nur ideelle - Einheit gefordert. Dabei wird jedoch die Geschichte verstärkt zu einer bloßen Erfüllung von transzendentalen Ideen37. Eine weitere Einheit besteht zwischen dem anthropozentrischen und theozentrischen Ansatz: RAHNER betont bekanntlich aufgrund verschiedener Kritik die „Seinsempfängnis"38. Bestimmend bleibt zwar der Vollzugsgedanke: es geht gemäß dem anthropologischen Ansatz stets um den geschichtlichen Vollzug des Menschseins39, doch immer im Horizont der Gnade: das transzendentale „Wovonher" und „Woraufhin" sind konstitutiv. Gott selbst ermöglicht den Vollzug, so dass die apriorischen Möglichkeitsgrundlagen ihren aposteriorischen Vollzug noch einmal aposteriorisch mittragen. Beim analogen Realismus wären Gott und Mensch zueinander hinsichtlich der Ganzheit ihres Seins streng analog, weshalb beide zusammen „unvermischt-ungetrennt" in analoger Einheit Grund und Ziel des Menschseins sind: eine exklusive Alternative zwischen theozentrischem und anthropozentrischem Ansatz stellt sich hier nicht. Gott wirkt alles, was des Menschen Möglichkeit ist, „totum, sed non totliter"; der Mensch wirkt alles, was er ist, „totum, sed non totaliter". Es gibt nirgends einen separierbaren Bereich göttlichen Wirkens neben dem menschlichen Wirken, noch eine Vermischung beider. Wird die unzerfällbare Einheit nicht beachtet, dann stellt sich beim anthropologischen Ansatz die Frage nach der ursprünglichen Gewissheit, nach dem letzten Axiom des Fragens: der anthropologi37 Vgl. Sehr. XII, 341-343, wonach sich das Ewige lediglich geschichtlich „ereignet“ und die Geschichte damit zum bloßen Ausdruck des Ewigen werden kann, bis die Geschichte in ihre „Endgültigkeit“ beinahe schon dialektisch aufgehoben wird. Vgl. Sehr. XII, 38 lf 38 RAHNER, K., Grundkurs des Glaubens. Einführung in den Begriff des Christentums, Freiburg 121976, 45, wobei der Grundkurs bekanntlich nicht selbst von Rahner geschrieben wurde. 39 Siehe etwa Sehr. IV, 168f