Folia Theologica et Canonica 10. 32/24 (2021)
Sacra theologia
22 ISTVÁN NOVÁK läuft der Dialog zwischen den Menschen und zwischen den zahlreichen Dimensionen der Welt ab? I. Martin Buber als Befürworter des Volks Gottes Die Fragen, mit denen sich Congar auseinandersetzte und die auch Buber stellte, sind heute auch aktuell. Die Auserwähltheit des jüdischen Volks, das Schicksal des Volks Israel, der Dialog zwischen den Religionen und den Weltanschauungen und die Gestaltung einer persönlichen Ich-Du-Beziehung zueinander und zu Gott stellen alle Werte in einem Zeitalter dar, als die Behandlung von gesellschaftlichen Problemen ohne die Verwirklichung der interreligiösen Dialogs und des Ökumenismus nicht vorstellbar ist. Die Philosophie von Buber ist stark von der Idee geprägt, dass das Volk Gottes ein Judentum ist, das gerade durch das Leiden „Gehorsam” lernen kann. Der christliche Congar, der selbst viel für seinen tiefen Glauben litt, weist ebenso daraufhin, dass die Kirche als das moderne Volk Gottes den Weg zu Christus durch das Leiden wiederfindet. 1. Das auserwählte Volk In Bezug auf das Volk Israel wird an dieser Stelle auf die Studie von Schmidt hingewiesen, aufgrund deren wichtige Feststellungen gemacht werden können. Israel ist kein Volk wie jedes andere, schon gar nicht für das Christentum. Doch was ist das Geheimnis, das dieses Volk zu etwas Besonderem macht? Es ist die Erwählung: JHWH hat Israel erwählt. ,Der Christ, der die Bibel erstnimmt, muss von der Erwählung Israel als Eigentumsvolk JHWHs Kenntnis nehmen. Tut er das nicht, redet er von vomeherein an Israel vorbei.4 Deshalb sollen anhand von ein paar Bibelarbeiten die wesentlichen Züge dieser Erwählungstheologie herausgearbeitet werden.3 Bei der Analyse des Essays von Buber über die Auserwähltheit Israels spricht Schmidt von einer „theologischen Größe“. In seinem tiefgründigen Essay hebt Buber sogar zwei Stellen aus dem Buch des Propheten Amos hervor. Diese beleuchten den Charakter dieser Erwählung näher, und zwar von einem scheinbaren Paradox aus: 3 Vgl. Schmidt, A., Die Erwählung des Israels, in http://buber.de/cj/erwaehlung#3 (06.11.2019).