Folia Theologica et Canonica, Supplementum (2016)
Géza Kuminetz, Aktualitdt der thomistischen Staatsidee
AKTUALITÀT DER THOMISTISCHEN STAATSIDEE 177 bezüglich des Verhàltnisses zwischen dem Staat und der Kirche auf propor- tionelle Weise aus. 2. Diese philosophische Auffassung betrachtet das staatliche Wesen als die Erfüllung dér menschlichen Vergesellschaftung, was eine dauerhafte Verbin- dung von über sich selbst frei verfügenden Wesen ist, damit die von ihnen ge- gründete Staatsmacht das Gemeinwohl sichert, zu dessen Verwirklichung sie von sich selbst, einzeln nicht fahig sind. Da diese Art von Staatsgestaltung ein Ergebnis organischer Entwicklung und bewusstes Baues ist, wird sie nicht durch blosse Interessen oder durch die unterschiedlichen Abarten des Zwanges zusammengehalten. Dér Ideensamen dér Staatsbildung ist in dér menschlichen Natur eingebaut. All das verwirklicht dér Mensch auf eine solche Weise, dass er inzwischen die den Staat überholenden kleineren Gestaltungen und ihre Autoritat bewahrt. So hütet er die Familie, das Vaterland, die Schule bezie- hungsweise die moralische Ordnung, die das unversehrte geistige Leben und die richtige Benutzung dér materiellen Güter sichert, denn diese Ordnung ver- sucht das Dámonismus bis ans Ende der Zeit zu zerströren.65 3. Die christlich-katholische Staatsidee ist die Synthese der Prinzipien des staatlichen Absolutismus und dér Volkssouveranitat, also sie schafft alle Seiten ab, bewahrt sie und hebt sie auf. Die konkrété Verwirklichung von dem, also die Frage der Staatsform ist nicht wesentlich, jedoch ist sie zweifellos auch keine Nebensache. Da die den Staat bildenden Bürger vernünftige Wesen sind, ziemt es sich, dass sie mit ihren begründeten Meinungen den Machtfaktor wirksam motivieren können, damit er richtige Entscheidungen trifft. Diese gegenseitige Beachtung voneinander nennt Horváth monarchia democratisata. Da er Monarchie sagt, bezeichnet das eine weitere Preferenz, und zwar darum, weil die verantwortungsvolle Einmannleitung dér menschlichen Natur am meisten entspricht, sie ist eine vöm Volk gewáhlte Autoritat, wo die Wil- lensáusserung des Volkes ernst genommen wird. All das ist natürlich ein Ratschlag, dér mit einer ernsthaften moralischen Verpflichtung verbunden ist. Diese Anschauungsweise hasiért auf dér Fáhigkeit und Fertigkeit des Treffens von vernünftigen Entscheidungen, so wenn es zum Beispiel nötig ware eine andere Staatsform zu wahlen, wird das von dem, seine Aufgabe richtig erfül- lenden Staatsmachtorgan erkannt, und es kooordiniert diese Umgestaltung auf friedliche Weise. Neben all ihren idealistischen Beigeschmack ist diese These eine weniger utopistische Àusserung als das, dass die paradiesischen Zustánde auf dér Erde einmal noch erfüllt werden. 65 Um diese, auch im Staat zu anerkennenden Werte zu zeigen, schrieb Sándor Horváth seine Studien mit den Titeln: A házasság és jövőnk [Die Éhe und unsere Zukunftl, Budapest 1922. A haza és hazaszeretet bölcseleti alapjai [Die philosophischen Grundlagen des Vaterlandes und dér Vaterlandsliebe], Budapest 1922. Az Egyház jogi helyzete és szerepe a nevelésben [Die rechtliche Lage dér Kirche und ihre Rolle in dér Erziehungl, in Vigilia (1948) 321-329 und die Studie Angyalok-démonok [Engel-Damonen] in Vigilia ( 1948) 591 -602 und ( 1949) 82-96.