Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 5. (Budapest 1907)

Méhely, L.: Archaeo- und Neolacerten. (Erwiederung an die Herren G. A. Boulenger, F. R. S. und Dr. F. Werner)

474 L. v. JIÉHELY gar keine Anhaltspunkte für die Richtung der Phylogenese liefert. Es gibt eine ganze Anzahl Formen mit hochgebautem, massivem Schädel ohne einer Spur von Gaumenzähnen (so z. B. L. quadrilineata GRAY, L. nigriventris BONAP., etc.), wogegen andere extrem pyramidocephale Formen (so L. fiumuna WERN.) bald Gaumenzähne besitzen, bald wieder nicht. Desgleichen gibt es rein platycephale Arten mit kräftigen Gaumen­zähnen (z. B. L. anatolica WERN.. Apathy a cappadocica WERN.. etc.). Die Trennung der einzelnen Formen scheint sich nur in geologisch jüngerer Zeit vollzogen zu haben, so dass betreffs der Gaumenzähne noch keine Beständigkeit erzielt wurde, doch glaube ich bei anscheinlich orthogenetischen Evolutionsreihen annehmen zu dürfen, dass die Stamm­form noch keine Gaumenzähne besass und dieselben nur allmählich erworben wurden. Hierauf scheint mir auch die Thatsache hinzuweisen, dass die primitiveren Scincoiden mit massivem, in einen förmlichen Hautknochenpanzer eingeschlossenem Schädel (z. B. die in Neu-Guinea einheimische Lygosoma jobiense MEYEP. 1) noch keine Gaumenzähne be­sitzen. Viel mehr Beachtung verdient Herrn BOULENGER'S zweite Stütze, nämlich die aus der Phylogenese der Siluroiden Fische herbeigezogene Analogie, die, falls sie richtig gedeutet worden wäre, meine ganze Ab­leitung in Frage stellen würde. Leider aber kann ich derselben keine Beweiskraft zugestehen, und zwar aus folgenden Gründen. Erstens glaube ich, dass die für eine ortliogenetische Evolutions­reihe ausgegebenen Gattungen rein willkürlich zu einer Entwickelungs­reihe verbunden worden sind. Diese Auffassung dürfte sich wenigstens durch nichts beweisen lassen, vielmehr scheint es mir viel wahrschein­licher, dass die genannten Gattungen aus einer gemeinschaftlichen Stammform ausstrahlten und mit einander nur fächerförmig zusammen­hängend Endpunkte von kürzeren Entwickelungsästen darstellen. Ortlio­genetische Evolutionsreihen, soferne sie verschiedene Gattungen betreffen, dringen meiner Auffassung nach in die Tiefe der Erdschichten und haben ihre Etapen in den einzelnen, aufeinander folgenden geologi­schen Perioden, soferne sie sich aber auf heute lebende Formen be­ziehen, beschränken sich dieselben auf den engen Kreis von Unterarten und Varietäten, oder höchstens auf sehr verwandte Arten. Gesetzt aber, dass das von Herrn BOULENGER herangezogene Ana­logie-Beispiel an und für sich richtig wäre, könnte ich demselben für die Phylogenese der Lacerten doch keine Beweiskraft zugestehen, da ich die Fische — mit Prof. JAE KEL * — für einen herabgesunkenen * Einige Beiträge zur Morphologie der ältesten Wirbeltiere (Sitziingsber. Ges. Naturforsch. Freunde zu Berlin, 1906, p. 188, 189.)

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