Csornay Boldizsár - Dobos Zsuzsa - Varga Ágota - Zakariás János szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 100. (Budapest, 2004)

SZMODISNÉ ESZLÁRY, ÉVA: Über „Salvator incoronatus" Reliefs aus dem toskanischen Kunstkreis

Wir würden nur die Beschaffenheit von diesem mit dem selbständigen Charakter des Budapester Kunstwerks vergleichen und nehmen dabei an, dass unser Relief florentinischen Ursprungs sein kann. In der toskanischen Stadt dürfte sich der Relieftyp des „Salvator incoronatus" eingebürgert haben, der - auch wegen seiner kleinen Abmessungen - ob als Bestandteil eines Diptychons mit einem Marienrelief, ob selbständig vermutlich der häuslichen Andacht diente. Aufgrund der relativ wenigen erhaltenen Exemplare kann nicht eindeutig ent­schieden werden, wo die ersten Stücke unter der Wirkung der bemalten niederlän­dischen Diptychen geschaffen wurden. Die Entstehungszeit des Budapester Kunstwerks kann wegen seiner einfachen, ruhigen Formschöpfung in die Jahre um 1480 gesetzt werden. 15 Ein Exemplar aus farbigem Marmor zeugt vom Weiterleben des ikonographi­schen Bildtypus „Salvator incoronatus". Die Dornenkrone, die Tränen im klassisch schönen Gesicht, die Haare in krausen Locken, die brustbildartige Darstellung ist die spätere Erscheinung des Typs „Salvator incoronatus". Dieses polychrome Stück, das als florentinische Arbeit aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts definiert wurde, war einst in der Galleria Sangiorgi in Rom. 16 Neuerdings wurde diese Arbeit als spätere Replik beschrieben. 17 Ihr Foto war auch in der Sammlung von Jolán Balogh, der Gründerin und einstigen Leiterin der Sammlung Alter Skulpturen zu finden. Sie versah das Foto mit der Bemerkung, dass sie ein ähnliches, erwerbswürdiges Stück im Nachlass der Schriftstellerin Renée Erdős kenne. Wir können aufgrund dieser Aufzeichnung daraufschließen, dass das Budapester Stück vor der Kadosa-Sammlung in diesem Nachlass gewesen sein konnte. Auch Jolán Balogh dürfte es gesehen haben. Es ist uns nicht bekannt, wann sie diese Aufzeichnung machte bzw. warum sie dem Museum der Bildenden Künste dieses hervorragende Kunststück nicht erwerben konnte. 15 Wir haben zu bemerken, dass die Darstellung des tränenden, dornengekrönten Christus auch im Luccaer Kunstkreis zu finden ist. Wir weisen hier auf die brustbildartige Darstellung des gegeißelten Christus mit bloßem Oberkörper hin, die sich im Bargello in Florenz befindet und als Werk von Matteo Civitali definiert wurde. (Yriarte [Anm. 6], 119; Harms [Anm. 6], 225, Abb. 60; Matteo Civitali e il suo tempo, Ausst.-kat. Lucca 2004, 395.) Diese hat jedoch einen unterschiedlichen ikonographischen Ursprung als die hier behandelten Reliefs. 16 Galleria Sangiorgi, Rom 1909, Nr. 483. Florentiner Marmorrelief aus dem 16. Jahrhundert. Polychrom, 41x25 cm. Jolán Balogh nahm das Foto in ihre Sammlung auf, um es mit dem Werk im Nachlass der Schriftstellerin Renée Erdős zu vergleichen, das sie für das Museum der Bildenden Künste erwerben wollte. Nach unserer Annahme dürfte dieses Stück identisch mit unserem Re­lief gewesen sein, das zunächst zum Komponisten Pál Kadosa kam, und das Museum der Bildenden Künste später, i. J. 1996 kaufte. 17 Pisani, L., Prospettiva 106-107 (2002), 148.

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