Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 95. (Budapest, 2001)

GOETTE, HANS RUPPRECHT: Beobachtungen an kaiserzeitlichen Skulpturen in der Antikensammlung

tungen verschwiegen werden: Betrachtet man nämlich das rechte Profil des Köpfchens genauer, so erscheinen die zwei zur Gesichtsmitte geschwungenen Strähnen des Zangenmotives über den Schläfen in jeweils zwei Spitzen zu enden; es handelt sich also nicht so sehr um zwei Strähnen als vielmehr um vier. Will man diese Aufteilung, die sich auch an anderen, großplastischen Augustus-Portraits 6 finden läßt, nicht als eine bloße Bereicherung, eine Spreizung des Zangenmotives betrachten, sondern meint man, daß diese Splittung Typus-bestimmend sei, so muß man das Köpfchen einer anderen frühkaiserzeitlichen Bildnis-Erfindung zuschreiben, nämlich dem Portrait, das man mit einem der Enkel und Adoptivsöhne des Augustus identifiziert, mit Caius oder Lucius Caesar. 7 Unter den verschiedenen Portraittypen, die die Forschung diesen beiden Prinzen zugewiesen hat, gibt es auch einen - zumeist als der 2 n.Chr. verstorbene Lucius Caesar bezeichneten - in zahlreichen Repliken überlieferten Typus, der ein breites Zangenmotiv aus vier gegen eine Strähnen aufweist. Aufgrund der den Augustusbildnissen angeglichenen Physiognomie hat man früher fälschlich sogar an ein Jugendbildnis des Kaisers gedacht. 8 Es ist also - besonders angesichts der starken Oberflächen-Zerstörung unseres Miniaturbildnisses, die ebenso wie das geringe For­mat eine detaillierte Analyse verhindert - nicht von vornherein ausgeschlossen, in dem Dargestellten den augusteischen Prinzen zu erkennen. Mit aller gebotenen Vorsicht soll hier aber dennoch der Vorschlag gemacht werden, das Köpfchen der Reihe der Augustus-Bildnisse im Haupttypus zuzuweisen. Denn es fällt bei den Portraits des „4:1"-Typus (L. Caesar) auf, daß die einzelnen Strähnen deutlicher voneinander getrennt wiedergegeben werden; zudem ragen diejenigen der linken Stimhälfte in gegeneinander isolierterer Reihung tiefer hinab als die der rechten Seite - es ergibt sich dadurch eine leichte Asymmetrie der Stirnbegrenzung. All dies läßt sich bei dem Budapester Miniaturbildnis nicht feststellen, und so scheint die einheitlichere Strähnenanordnung des Glasköpfchens eher für eine Identifizierung als Augustus zu sprechen. In jedem Fall liegt eine Datierung des Portraits um Christi Geburt oder wenig später, während der iulisch-claudischen Herrschaft, nahe. Ob das Portrait einst zu einer Statuette oder zu einer Büste gehörte, muß offen bleiben; es wurde vermutet, daß derartige Bildnisse „in Büsten oder Statuetten aus 6 s. z.B. Böschung 1993, Nr. 80 (Boston), Nr. 102 (Genf); Nr. 106 (Istanbul) oder Nr. 109 (Köln); bei einigen Repliken des Primaporta-Typus ist eine Untergliederung der die Zange bildenden Strähnen angedeutet, ohne daß sie bereits vollständig voneinander getrennt wären, s. z.B. Böschung 1993, Nr. 91 (Cuenca), Nr. 170 und Nr. 176 (Vatikan) oder Nr. 200 (Tripolis); der Kopf in Arles (Nr. 70) nimmt eine Mittelstellung ein, da auf der linken Zangenseite drei Strähnen voneinander getrennt dargestellt sind. — Mit der „Replikenreihe Stuttgart" hat Böschung (Böschung 1993, 33-34) einige Kopien zu einer Gruppe zusammengefaßt, die einerseits mit einer breiten Zange (z.T. mit 4 Strähnen auf der linken Zangenseite !) vom Octavianstypus abhängen, andererseits m.E. aber nicht ohne den Einfluß des Primaporta-Typus denkbar sind. Für unser Köpfchen sei besonders auf die inschriftlich als Augustus gesicherte Bronzebüste in Paris (Böschung 1993, 134 Nr. 55 Taf. 63; Dahmen 2001, 155 Kat. 32 Taf. 32) hingewiesen, deren linker Zangen­Teil sogar aus fünf Strähnen gebildet ist. 7 K. Fittschen, Katalog der antiken Skulpturen in Schloß Erbach (AF 3.), Berlin 1977,40 Anm. 25 zu Nr. 12; J. Pollini, The Portraiture of Gaius and Lucius Caesar, Fordham University 1987, bes. 45-53 („Gaius Type II"); H.R. Goette, JRA 6 (1993) 303; Salzmann, a.O. (Anm. 5 a), 161-164 zu Nr. 6. 8 Nachweise bei Salzmann, a.O. (Anm. 5 a), 164 Anm. 2.

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