Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 88-89.(Budapest, 1998)

POSZLER, GYÖRGYI: Die Figuren eines Kärtner Flügelaltars in Budapester Sammlungen

tenheit, das den Kärntner Werken nächstliegende Beispiel, ein steirisches Altarbild aus der Zeit um 1450, befindet sich im Joanneum in Graz. 42 Sollte also die Budapester Königsfigur mit dem heiligen Oswald gleichzusetzen sein, dann mit diesem ziemlich seltenen Darstellungstyp als König in Rüstung. An der Budapester Figur fehlt aber auch der Mantel. Es wäre zwar denkbar, daß die Königsfigur in der Rechten ein Fahne hielt wie der Oswald im Joanneum, oder das Zepter, aber er konnte mit der eingeboge­nen linken Hand unmöglich den Reichsapfel gehalten haben, denn dies wäre nur in der ausgestreckten Handfläche möglich. Dabei ließen sich auch die Dübellöcher vor sei­nen Füßen schwer interpretieren, die gewiß zur Fixierung eines Attributs dienten. Im Zusammenhang mit der Identifizierung der Person des Königs käme noch ein Herrscher in Frage, der in einigen Gebieten Kärntens in großen Ehren stand, aber ­wenigstens nach den erhaltenen Denkmälern zu schließen - seltener dargestellt wurde: der 1014 in Rom zum Kaiser gekrönte und 1146 heiliggesprochene Heinrich II 43 Als letztes Mitglied des sächsischen Herrscherhauses stiftete er das Bistum Bamberg und errichtete den Bamberger Dom. Ein Zentrum seines Kultes war der Oberrhein, die Umgebung von Basel, und seine Verehrung in Kärnten hängt mit den in diesem Land liegenden ausgedehnten Bamberger kirchlichen Gütern zusammen. Das Bistum Bam­berg erhielt von Kaiser Heinrich II. diese Riesengüter, die sich von Villach bis Pontebba erstreckten und der Macht der örtlichen Grafen und Fürsten enthoben waren. Unmit­telbare Bamberger Stileinflüsse lassen sich zwar an der Kunstproduktion dieser Gebie­te nicht nachweisen, aber für die Übernahme des Heiligenkultes, der Verehrung von Heinrich und seiner Gemahlin Kunigunde, liegt die Erklärung wohl in dieser langen und bedeutenden historischen Verbindung. 44 Heinrich der Heilige wurde im Spätmit­telalter im allgemeinen in Rüstung, oft im Mantel und mit der Krone auf dem Haupt dargestellt. In der Hand hält er oft das Zepter, seltener den Reichsapfel, an den spät­gotischen Darstellungen aber überwiegend ein Kirchenmodell, das auf die Stiftung des Bamberger Domes und einer Reihe weiterer Kirchen sowie deren Beschenkung hin­weist. 45 In der Gestalt des Budapester Königs läßt sich vielleicht der entsprechend dem Ideal der Zeit als Ritter erscheinende heilige Kaiser erkennen. In der einen Hand hielt er vielleich das Zepter, in der anderen eventuell eine Fahne, oder, etwas ungelenk, in beiden Händen vor der Brust das Kirchenmodell. Auch die Dübellöcher am Sockel der Figur könnten zur Festigung des Attributs gedient haben. In diesem Fall müßte das Modell etwas ungeschickt, vor seinen Füßen, in der Mitte angebracht gewesen sein ­dies wäre eine ziemlich ungewohnte Ähnlichkeit mit dem Attribut des heiligen Flori­ans. 42 Braun, a. a. O. (vgl. Anm. 36), 572;LC78, 102-104; Biedermann, a. a. O. (vgl. Anm. 18), 105-107, Nr. 21, Abb. 34. 43 Schmidt, a. a. O. (vgl. Anm. 34), 14, 35. 44 Demus, O., Zur mittelalterlichen Kunst Kärntens, in Kärntner Kunst des MUtelalters aus dem Diözesanmuseum Klagenfurt, Wien 1971, 12-13. 45 Braun, a. a. O. (vgl. Anm. 36), 318.; Künstle, K., Ikonographie der christlichen Kunst II. Ikonographie der Heiligen, Freiburg i. Br. 1926, 292-293; LCI 6, 478-481.

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