Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 88-89.(Budapest, 1998)

POSZLER, GYÖRGYI: Die Figuren eines Kärtner Flügelaltars in Budapester Sammlungen

den zu seinen Füßen als Gerippe dargestellten Tod nieder. 38 So tritt er auch in der unmittelbaren Umgebung unserer Figuren, auf dem Außenflügel des unter den Stil­analogien bereits erwähnten Altars von Irschen, neben dem heiligen Wolfgang auf. Während von seinem Gefährten Daria gekrönte Darstellungen bekannt sind, erscheint Chrysanthus niemals mit der Krone. Die unbewegliche Haltung der Budapester Königs­figur und die vor die Brust gehobenen Hände würden auch sonst nicht die Gleichset­zung mit Chrysanthus zulassen. Zu den in Kärnten bekannten und verehrten, in voller Rüstung dargestellten Ritter­heiligen gehören noch der um 760 ermordete Edelmann aus Burgund, der heilige Gangolf, und der ebenfalls bewaffnete, mit dem Fürstenhut gekennzeichnete vermeint­liche Herzog von Millstätt, der heilige Domitian, 39 dessen Identifizierung auch auf­grund seines Attributs, des Kirchengebäudes zu seinen Füßen - des Modells der Kir­che von Millstätt nur in Kenntnis seines örtlichen Kultes möglich ist. Die Berück­sichtigung dieser beiden Ritter führt uns aber ebenfalls nicht näher zur Identifizierung der Budapester Königsfigur. Die Forschung muß auf dem gegebenen Schauplatz, unter den zu jener Zeit darge­stellten Königsfiguren fortgesetzt werden. Die Verbreitung des Kultes des heiligen Oswalds, des Schutzheiligen des Silberbergbaus, hängt mit dem in der Wirtschaft des mittelalterlichen Kärntens sehr bedeutenden Bergbauwesen zusammen. Die Verehrung des Königs von Northumbrien von wechselvollem Schicksal aus dem 7. Jahrhundert verbreitete sich vom 14. Jahrhundert an in Süddeutschland, in der Schweiz und in den österreichischen Landen, vor allem in der Steiermark und in Kärnten, wo ihm mehrere Kirchen geweiht wurden. 40 Wir kennen mehrere Darstellungen dieses Heiligen an Schöpfungen der Villacher oder mit dieser in Verbindung stehender Werkstätten aus dem zweiten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts: so die sehr qualitätvolle Schreinfigur des einstigen Altars der Kirche St. Oswald im Rosental, die um 1515 in der Werkstatt von Peter Peitsch entstand, die lyrisch weiche Schreinfigur, die aus der Pfarrkirche von Kartitsch nach Innsbruck in das Ferdinandeum gelangte, seiner Relieffigur begegnet man an der Festseite des Altars von Irschen, der als nahe Analogie der Budapester Figuren bereits angeführt wurde. 41 Oswald erscheint in all diesen Darstellungen als Herrscher, mit Krone auf dem Haupt, in der einen Hand das Zepter, in der anderen den Reichsapfel - und mit seinem persönlichen Attribut, dem Raben. Auch seine Tracht geziemt einem Herrscher, er trägt immer einen breiten Mantel und darunter, meist kaum sichtbar, vornehme Kleidung und Schuhe. Seine Darstellung in Rüstung gilt als Sel­38 Braun, a. a. O. (vgl. Anm. 36), 173-175; LCI 5, 509-510; Schmidt, a. a. O. (vgl. Anm. 34), 65. 39 Schmidt, a. a. O. (vgl. Anm. 34), 42; LCI 6, 349-350. 40 Schmidt, a. a. O. (vgl. Anm. 34), 61 ; Aiterns, F. - Koren, J., Schutzheilige Österreichs als Bewahrer und Helfer. Ihr Leben, ihre Patronate und Attribute, Innsbruck 1992, 102. 41 Demus, a. a. O. (vgl. Anm. 16), 419^420. (St. Oswald im Rosental, seit 1930 in Maria Elend), 295­296. (Kartitsch), 442-446. (Irschen); das Dorf Kartitsch liegt südwestlich von Lienz. Seine spätgotische Pfarrkirche wurde dem heiligen Leonhard geweiht. Dehio, Tirol, a. a. O. (vgl. Anm. 20), 393-394; bezüg­lich der Kartitscher Figuren siehe Egg, a. a. O. (vgl. Anm. 19), 229; zu St. Oswald im Rosental siehe Dehio, Kärnten, a. a. O. (vgl. Anm. 16), 580.

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