Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 60-61. (Budapest, 1983)

GARAS, KLÁRA: Sammlungsgeschichtliche Beiträge zu Raffael. Raffael-Werke in Budapest

Schülerhand erwiesen (Abb. S3). 58 Die auffallende Ubereinstimmung mit der oben zitierten Darstellung der Galleria Corsini in Florenz, das Bildformat, der nach links gewandte Kopf Jesu, die Tracht und der Gesichtstyp Maria, lassen die Vermutung nahe, dass der Karton in der Tat als Vorzeichnung eben dieses Bildes verfertigt worden ist, und zwar von einem Florentiner Meister, dem die Raffaelsche Komposition — möglichweise nicht das Gemälde sondern eventuell eine Zeichnung — als Vorbild diente. Nach Ansicht der meisten Autoren von Passavant bis Dussler muss die urs­prüngliche Rundbildkompqsition Raffaels mit dem schlafenden Jesuskind noch in der florentiner Periode, vor 1508 entstanden sein, entschieden früher, als die Fassung desselben Gegenstandes auf der sog. Madonna mit dem Diadem im Louvre (Abb. 54). Für diese Auffassung spricht neben der mehr lyrischen Dar­stellungsweise, die mit den Florentiner Madonnen-Tondi des ersten Jahrzehntes noch eng verbundene Komposition, ihr Verhältnis zur Landschaft, und konkret auch die Klosteranlage im Hintergrund, die als San Salvi bei Florenz erkannt wurde. 59 Die zentripetale Konstruktion der Bewegungen, wie etwa die Wendung von Mariens Körper oder die des kleinen Johannes, zeigen, dass wir es hier mit einer auch ursprünglich für Rundbild konzipierten Darstellung zu tun haben, während bei der Pariser Komposition durch die starke Betonung von Senkrecht und Wagrecht das rechteckige Format von vornehin bestimmt ist. Bei thematischer Ubereinstimmung zeigt das Bild tatsächlich eine deutliche konzeptionelle Veränderung. Die Figurengruppe ist bei der Madonna mit Dia­dem enger in den Vordergrund gerückt, sie erscheint monumentaler und ge­wichtiger, den Bildraum bis an die Seitenränder ausfüllend. Die stark erhobene Folie der Landschaft mit der Ruinenarchitektur weist eindeutig römische Ele­mente auf. Das Pariser Gemälde wird im allgemeinen 1510—1512 datiert und für eine auf Raffaels Erfindung beruhende Werkstattarbeit gehalten. Das frühere, in Florenz von 1508 entstandene Rundbild der Madonna mit dem schlafenden Jesuskind war wahrscheinlich das Gemälde, das im Piccolo­mini Inventar in Siena 1542 als Werk Raffaels übereinstimmend beschrieben ist. Dabei wird man aber unvermeidbar an jenen Sieneser Auftrag erinnert, über den Vasari berichtet. Raffael hatte in Florenz ein Madonnenbild für einige Sieneser Herren gemalt, das Stück jedoch bei seiner Reise nach Rom unvollendet zurückgelassen. Das noch fehlende blaue Kleidstück, und weitere Kleinigkeiten wurden dem Ridolfo Ghirlandaio zur Vollendung überlassen: ,,il qual quadro finito che ebbe Ridolfo con molta diligenza lo mando a Siena". 00 In der Lite­58 Florenz, Uffizien Inv. Nr. 1774, 77X73 (früher als in der Galleria dell'Accade­mia, Florenz). Gestochen von Ravano. S. Literatur Anmerkung Nr. 34—35, sowie D o 11 m a y r, H.: Raphaels Werkstätte, Jahrbücher der kunsthist. Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses, 1895 XVI S. 361 „Der Carton, den die Uffizien angeblich dazu bewahren ist nicht echt". 59 Crowe und C a v a 1 c a s e 11 e : a. a. O. I. S. 355. Der eigenartige, geflochtene Saum an Mariens Kleidausschnitt ist ganz ähnlich auf der ebenfalls in Florenz ent­standenen Madonna Canigiani (München, Alte Pinakothek), die auch in der Typen­bildung und bei den Landschaftselementen Ubereinstimmungen aufweist. t0 V a s a r i : a. a. O. IV. S. 328. Nach Florenz zurückgekehrt während er für die Dei ein Altarbild malte (die Madonna del Baldacchino) „fece un quadro che si mandö in Siena, il quale nella partita di Raffaello rimase a Ridolfo del Ghirlandaio, per­chegli finisse un panno azzurro che vi mancava". Und in der Vita Ridolfos (a. a. O. VI. S. 534) „.. . dovendo Raffaello andara a Roma chiamato da Papa Giulio II. gli lascio a finire il panno azzurro ed altre poche cose che mancavano al quadro d'una Madonna, che egli avea fata per alcuni gentiluomini sanesi; il qual quadro finito che ebbe Ridolfo con molta diligenza lo mandö a Siena."

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