Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 56-57. (Budapest, 1981)

GARAS, KLÁRA: Christian Seybold und das Malerbildnis in Österreich im 18. Jahrhundert

weite Reputation sicherte. Künstlerisch hat sie für ihn vermutlich weniger be­deutet, als die tatsächliche Porträtmalerei, wie das ganz deutlich durch die imponierende Reihe seiner Selbstbildnisse dokumentiert wird. 37 In dieser Gat­tung scheint er jedoch vom Einfluß Balthasar Denners völlig unabhängig zu sein. Er fand die stärksten Anregungen näher in seiner Umgebung, vor allem bei einem der bedeutendsten Bildnismaler der Zeit, Jan Kupezky (1667—1740). Er mag ihn noch persönlich gekannt haben, Kupezky war ja bis 1723 in Wien tätig, und hat auch noch später, während seiner Nürnberger Jahre Beziehungen zu seinen böhmisch-österreichischen Mäzenen aufrechterhalten. Jener puritani­sche Ernst und forschender Wahrheitssinn, der den Selbstdarstellungen des Böhmen eigen ist, kennzeichnet auch die hier behandelten Selbstbildnisse Sey­bolds, es gibt auch keinen anderen Maler um diese Zeit, in dessen Werk das Selbstbildnis eine derart zentrale Rolle gespielt hätte. 38 Wie bei Kupezky, so ist auch bei Seybold das eigene Porträt viel mehr als eine Gelegenheitsaufgabe, es handelt sich — wie einst bei Rembrandt •— um das unermüdliche Forschen nach den Wandlungen der menschlichen Gemütsverfassung, des Charakters und Ausdrucks. Auch gewisse Attitüden und Motive, wie unter anderem der direkte Blick, die Art den Kopf über das helle Dreieck des offenen Halsausschnittes herauszuheben, können bei Seybold auf Kupezkysche Vorbilder zurückgeführt werden. Es war vermutlich auch Kupezky, der das Beispiel der Niederländer, vor allem Rembrandts, Seybold vermittelte, bei beiden Meistern führt dieser Einfluß zu einer gewissen Altertümlichkeit in der Darstellung (gelegentlich auch in der Tracht) und zu einer weich nuancierten Hell-Dunkel Behandlung. Ihre Verbindung war — wie der Vergleich der Questenberg-Bildnisse das deutlich zeigt, — besonders in der Frühzeit eng, in der Folge sind dann die Formen bei dem um eine Generation jüngeren Seybold weniger piastich, die Inszenierung und Faltengebung schlichter, leichtfügiger. Was Seybold von Kupezky über­nimmt, ist gerade das Alltägliche, das Intim-Bürgerliche, das Individuelle, was er vermeidet, ist das Höfisch-Würdevolle, die spätbarocke Pathetik und das Repräsentieren. Bewußt verzichtet Seybold auf dekorative Aufmachung, widmet das Mindestmaß an Aufmerksamkeit den Requisiten und konzentriert eindeutig auf das Menschlich-Unmittelbare, den seelischen und geistigen Ausdruck. 39 Be­37 Aufgrund der Literatur und der Quellenangaben können wir noch über fol­gende Selbstbildnisse Seybolds berichten: Berlin, Auktion Lepke Kunsthaus März, 1900 Nr. 79, Öl, Leinwand, 49X40 cm; Florenz, Gal. Corsini, Öl, Kupfer, 39X29 cm; Gotha, Museum: Selbstbildnis mit Pfeife, öl, Leinwand, 47X38 cm; Sibiu, Museum Brukenthal, öl, Leinwand, 55X44 cm; New York, Sammlung Louis Lion, öl, Lein­wand, 16X13 1/4 inch; Salzburg, Schloß Leopoldskron, Sammlung Firmian, 1782; Temesvár (Timisoara) Museum, aus Sammlung Ormós, öl, Holz, 38X28 cm, bezeichnet aus 1758; Wien, Sammlung Birkenstock, 1811, Selbstbildnis mit Palette, öl, Leinwand, 2,2X1,9 Fuß; Wien, Sammlung Pachner von Eggerstorf, 1814; Wien, Schottenstift; ? Sammlung Christian Ludwig von Hagedorn, 1755. 38 Wir haben über etwa 20 Selbstbildnisse Kupezkys Nachricht. S. auch Garas, K.: Kupezky Studien. Unbekannte Bildnisse aus Kupezkys Wiener Periode. Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts, 50. (1978) S. 79—101. 39 Seybolds Selbstbildnisse rufen den Vortrag Josef von Sonnenfels' „Von der Urbanität des Künstlers" in den Sinn, jene Postulate, die er an der Kupferstecher­akademie in Wien 1768 verkündete: „Seine Sitten sind wie das Werk seiner Kunst, einfach ohne niedrig, zierlich ohne geputzt zu seyn: nicht roh aber ungekünstlet, nicht kraftlos aber ruhig: in seinem Ausdruck wie in seinen Umrissen frey aber mit Ge­lassenheit, sanft ohne weichlich zu werden ... ist er in seiner Denkungsart wie in seiner Zusammensetzungen erhaben, ohne Stolz zu zeigen, sinnreich ohne zu wit­zeln .. .". Sonnenfels, J. von: Gesammelte Schriften. Wien, 1786. IV. S. 310.

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