Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 56-57. (Budapest, 1981)
GARAS, KLÁRA: Christian Seybold und das Malerbildnis in Österreich im 18. Jahrhundert
der Bildnismalerei des 18. Jahrhunderts wenig ihres gleichen hat und die die hohe zeitgenössische Einschätzung des Künstlers verständlich macht. In der Tat wurde das Leningrader Selbstbildnis, in der wichtigen deutschen Zeitschrift, der in Leipzig erscheinenden Neuen Bibliothek der Schönen Wissenschaften und der Freyen Künste im Stich von C. G. Geyser 1778 veröffentlicht (Abb. 88). Es befand sich damals in der berühmten Sammlung des Leipziger Kaufmanns Gottfried Winkler. 25 In der Auffassung von diesem stark verschieden, dem Budapester Bild von 1745 näher stehend, ist das schöne Halbfigurenbildnis Seybolds im österreichischen Barockmuseum in Wien. 26 Es ist das eleganteste Porträt des Malers. Im Armstuhl vor einem Tischchen sitzend hält er hier eine kleine Schnupftabakdose vor sich. Die Pinsel sind nicht, wie sonst so oft auf seinen Bildnissen, ungeniert hinters Ohr gesteckt, sie sind diskret mit der Palette auf das Tischchen im Hintergrund gestellt. Man würde sagen, es ist eine Art von Sonntagsbild, der Künstler, wie er sich in der Muße verhält. So ähnlich ist die Einstellung auch bei einem weiteren ebenfalls um die Mitte der vierziger Jahre datiertbaren Selbstbildnis in Wien (Historisches Museum, Abb. 90). 27 Hier zeigt sich der Meister mit einem Büchlein und einem Augenglas in der Hand, dem Betrachter aufmerksam zugewandt, als hätte er soeben das Lesen unterbrochen. Auch hier sind die Malerwerkzeuge in den Hintergrund gestellt — behutsam auf ein weißes Tüchlein. Das schmale, ovale Gesicht mit der hohen, tiefgefurchten Stirn, der achtsame Blick deuten auf eine starke Persönlichkeit, einem kritischen Geist und Drang nach Unabhängigkeit. Besonders deutlich wird dies, wenn man diese Porträts mit dem fast gleichzeitigen höfisch-konventionellen Selbstbildnis Martin van Meytens vergleicht. Man wird auch an die zeitgenössische Charakterisierung erinnert, Seybold habe „viel Virtuosenlaune" besessen und habe sie „selbst die große und gütige Maria Theresia empfinden" lassen. 28 Nach der Inschrift wäre auch das Florentiner Selbstbildnis Seybolds um diese Zeit — 1747 — entstanden (Abb. 89). Wir haben leider keine näheren Angaben über die Geschichte des Bildes, wir wissen auch nicht wie es dazu kam, in die berühmte Galerie der Malerbildnisse aufgenommen zu werden. 29 Fest 25 Die Neue Bibliothek der Schönen Wissenschaften und der Freyen Künste (1778 VIII.) gab einen kurzen Bericht. S. Kreuch auf, F. W. : Historische Erklärung der Gemälde welche Herr Gottfried Winkler in Leipzig gesammlet. Leipzig, 1768. Nr. 216. 26 Wien, österr. Galerie, Inv. Nr.: Lg. 23, öl, Leinwand, 94,5X75 cm, 1973 vom Verein der Museumsfreunde erworben, aus dem Wiener Kunsthandel, früher englischer Kunstmarkt. S. Baum: a.a.O. S. 648, Nr. 460. Das ist wohl das Selbstbildnis Seybolds, das im Catalogue of the Truchsessian Picture Gallery (London, 1803) als „with snuff box in hand" beschrieben wurde (2,11X2,3) und das damals aus dem Besitz von Josef Franz Anton von Truchsess Zeil Wurzach in London veräußert wurde. Ein anderes Selbstbildnis Seybolds aus derselben Sammlung, mit Palette in der Hand (2,10X2,3) konnte bisher nicht identifiziert werden. 27 Wien, Historisches Museum der Stadt Wien, Inv. Nr.: 51010, öl, Leinwand, 92X^4 cm, früher Galerie Neumann und Salzer, Wien (ausgestellt 1930 Nr. 64, s. Belvedere 1930, I. S. 121, Abb. 80). 2 " S to lb er g, F. L. Graf zu: Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien. Leipzig, 1794. S. 393. 2<J Florenz, Gal. Uffizi, Inv. Nr.: 1869, öl, Kupfer, 38X29,5 cm. Auf der Rückseite beschriftet: „Christianus Seybolt Moguntinus/Regis Poloniae Pictor Aulicus aetatis Annorum 49 hanc/propriam effigiam pinxit/Anno 1747". Die zeitgenössischen Maler wurden zumeist aufgefordert, ihr Selbstbildnis in die Galerie zu schicken, es wurde aber meist streng darauf geachtet, daß tatsächlich die besten vertreten waren. In dem Fall Seybolds hat vielleicht die Befürwortung Franz Stephan von Lothringens, Groß-