Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 56-57. (Budapest, 1981)

GARAS, KLÁRA: Christian Seybold und das Malerbildnis in Österreich im 18. Jahrhundert

düsteren Ausdruck, für die dunkle brauntönige Kolorierung als Vorbild gedient haben dürfte. Obwohl es immer außerordentlich schwer und gewagt ist, das Alter nach einer Bildnisdarstellung feststellen zu wollen, scheint das Modell kaum mehr als 30—35, was eine Datierung um die 1720-er Jahre zuließe. Damit wäre dies überhaupt das früheste bekannte Werk Seybolds. Genau datierbar und von besonderer künstlerischer Qualität ist das andere, ebenfals aus der Sammlung Zichy stammende Selbstbildnis Seybolds in Buda­pest, eines seiner Hauptwerke, das ihn in halber Figur in einem Lehnsessel sitz­end mit dem Wienerischen Diarium in der Hand darstellt (Abb. 82). 17 Die Zei­tung, die der Maler so eben durch ein Vergrößerungsglas studiert hat, zeigt das Datum 26 Mai 1745. Die Schrift, die Hände, die linke Schulter und Wange der uns zugewandten Gestalt sind hell beleuchtet, das Übrige des Bildes, der Hinter­grund u.a. verliert sich in einem weichen hell-dunklen Schatten. Ernst und ge­rade blicken uns die grauen Augen an, das Gesicht ist schmaler geworden, hat im Vergleich mit dem früheren Porträt seine Glätte verloren, um Nase und Mund ziehen sich Falten, die hohe Stirne ist stark gefurcht. Deutlich ist auch hier noch der Einfluß Kupezkys, — man denke nur an dessen Prager oder Braunschweiger Selbstbildnis, — oder auch der Einfluß von Rembrandts Port­rätauffassung, die auch bei Kupezky entscheidend wirkte. Seybold geht jedoch auf dem von Kupezky eingeschlagenen Weg um einen Schritt weiter, von spät­barocker Würde und plastischer Schwere ist in seiner Kunst kaum mehr etwas zu spüren, es herrscht eine gelöstere, malerischere Auffassung, eine intimere und gelockertere Darstellungsweise. Auch die Art wie sich der Maler darstellt, mit welchem Attribut und in welcher Beschäftigung er sich der Nachwelt präsentiert, ist bezeichnend. Um die Sache deutlich zu machen, stellen wir hier ein anderes Bildnis dem von Seybold zur Seite, das Porträt eines Herren mit Zeitung in der Hand (aus der Sammlung Andrássy, Budapest, Museum der Bildenden Künste), ein bisher wenig bekanntes Werk Kupezkys aus dem Jahre 1728 (Abb. 81). 18 Da sitzt ein prächtig gekleideter Herr in reich gestickter Weste, und einem pelzverbrämten, mit goldenen Knöpfen geschmückten Samtmantel vor uns; Tracht, Requisitien, der Marmortisch mit Schokoladentasse, der Brokatsessel und die Kamindekoration im Hintergrund sprechen von Wohlstand, hohem Rang und Adel. Die stattliche, Ehrfurcht gebietende Gestalt hält eine Zeitung in französischer Sprache in der Hand mit der Beschriftung ,, Nouvelles Extraordinaires de Divers endroits" vom 4 Jan. 1728. Knapp zwanzig Jahre später zeigt Seybolds Bild einen Bürgerlichen, einen Maler, der von vielen für kaum mehr als einen Handwerker gehalten wurde, in häuslicher Einfachheit mit der einheimischen Tageszeitung. Das übliche Beiwerk bei Malerbildnissen des 18. Jahrhunderts ist die Palette, der Pinsel, der Stift, die Staffelei mit einem Bild unter Arbeit, die Zeichnungsmappe. Manchmal erscheint die Auszeichnung, die Medaille die der Künstler vom Gönner erhalten hat (Meytens, van Schup­pen, Kupezky), gelegentlich die Tabakdose und die Pfeife als Zeichen der häus­lichen Entspannung, das Schachbrett und ein Musikinstrument als Requisite der 17 Inv. Nr.: 53.406, öl, Leinwand, 93,5X73 cm. Aus der Sammlung Graf Eugen Zichy, Budapest, Edmund Zichy, Wien, früher Sammlung Samuel Festetits, Wien 1859, Nr. 139. Ausgestellt: Wien, Histor. Ausstellung der Akademie 1877, Porträtausstellung im Kunsthaus 1880, Budapest, Museum der Bildenden Künste, Maulbertsch und seine Zeit, 1974. S. P i g 1 e r, a. a. O. S. 639. Is Inv. Nr.: L. 3.097, öl, Leinwand, 87X71 cm, aus der Sammlung Sándor Andrássy, früher Homonna. Ausgestellt 1936 Budapest, Műcsarnok (KunstgalerieJ.

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