Csánky Dénes szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 10. 1940 (Budapest, 1941)

Nikolaus Csánky: Das Bartfelder Madonnen-Bild

des Worcester-Meisters sowohl der Kaschauer Geisselung, wie auch der Verspottung als Vorbild gedient haben mag. Jedenfalls steht das Kaschauer Bild der Rodrigues-Geisse­lung näher, als die gleiche Szene des Kra­kauer Dominikaner-Meisters, zumal nicht die verwandte Anordnung der Häscher, die ihre Grausamkeiten um den an die Säule gefes­selten Heiland treiben, den Ausschlag gibt, sondern vielmehr die ähnliche Raumauffas­sung. Es ist eine längst bereinigte Tatsache, dass die Zyklen des Kaschauer Hauptaltars das Resultat eines einheitlichen künstlerischen Programms waren. Die Entlehnung, welche im Passionszyklus ohne Zweifel beweisbar ist, muss wohl besonders auf den Haupt­meister, den Maler der Hl. Elisabeth-Legende, eine Wirkung ausgeübt haben. Die Lage des Elisabeth-Meisters war aber eine gänzlich andere. Vor allem ist es der vornehme und glatte Ton seines Vortrages, der dem ganzen Altar Wert und individuelle Note verleiht. Sein Thema ist spezifisch ungarisch, und gegenständliche Zusammenhänge mit dem Ausland ergeben sich daher seltener. Talent und Können dieses Meisters dürften den Ge­schmack der ganzen Werkstatt geprägt ha­ben. Auch ist seine Auffassung fortschrittli­cher, er hatte die Kenntnisse seiner Zeit bes­ser verarbeitet und die von ihm gemalten Bilder atmen die Stimmung einer von unga­rischen Typen und Motiven durchsetzten lo­kalen Note (Abb. 57). Die Bindung an den Worcester-Meister ist insoweit vorhanden, als eine Beziehung an den Meister des Passions­zyklus vorhanden ist. Nebst den lebendigen hellen Farben, namentlich in der Abschieds­szene der Hl. Elisabeth und Ludwigs, ist es die von scharfer Beobachtung der Pferde­bewegungen und ihres Ausdrucks zeugende Zeichnung, die etwa am entschiedensten die Erinnerung an den bayrischen Meister wach­ruft. Diesmal wollen wir an die Federzeich­nung eines reisenden östlichen Fürsten erin­nern, die im Dresdner Kupferstichkabinett aufbewahrt wird (Abb. 53—54). Der Maler des dritten Zyklus, der des Marienlebens, ist im Vergleich zu den beiden ersten Meistern eine wohl etwas bescheidenere Erscheinung. Auch im Verhältnis zum Worcester-Meister ist nichts Neues zu erwähnen. Die Bilderreihe setzt eigentlich die sanftere Welt der vier letzten Szenen der Passion fort und wieder­holt deren tiefe Raumbildung, Landschafts­hintergrund und oft auch Typen (Abb. 58). Einem anderen der Kaschauer Entlehnung ähnlichen Fall begegnen wir in einer Tafel des im Jahre 1478 geweihten Hauptaltars von Zipser Kapitel. 42 Der Zusammenhang zwi­schen der wegen ihrer Anlehnung an den Schongauerschen Stich bekannten Kreuz­tragungsszene und der in der Wiener Alber­tina aufbewahrten Tuschzeichnung, der sog. Rodrigues-Kreuztragung, ist unverkennbar (Abb. 46—47). Nicht nur die Gestalt des un­ter dem Kreuz zusammenbrechenden Hei­lands ist verwandt, sondern auch jener, den Erlöser ohrfeigende. Soldat rechts, der ge­radezu wie von der Zeichnung kopiert er­scheint. Interessant ist, dass diese Zeich­nung dem Schnitzer des Znaimer Altars zu­geschrieben wird, den schon Benesch für einen Schüler des Worcester-Meisters hielt. Im künstlerischen Werden jener vier Jahr­zehnte, die zwischen dem Entstehen der Vor­lage der Kaschauer Passionsszene und dem der grossen Flügel verstrichen sind, scheint unserem Bartfelder-Krakauer Meister eine führende Rolle zugefallen sein. Die Produk­tion der vergangenen Jahrzehnte hat nämlich in Kaschau — den sich wiederholenden Ver­nichtungen zufolge — keine Spuren hinter­lassen. Die so entstandene Lücke habe ich bereits vor langem — provisorisch — mit je­nen Denkmälern ausgefüllt, 43 die sowohl zeit­lich wie auch dem Stil nach füglich als die entsprechenden Voraussetzungen gelten kön­nen und die auf dem zwischen Kaschau und Krakau gelegenen Weg wirtschaftlicher und kultureller Strömungen entstanden sind. Zu ihnen gehört eben das Bartfelder Rahmen­bild und die in diesem Zusammenhang oben angeführte Krakauer Denkmalgruppe, die dortige Dominikaner-Bilderreihe, wie auch die die Legende Annas und Joachims dar­stellenden vier Bilder des aus dem im Komi­tat Sáros liegenden Radács stammenden Altarflügels im Budapester Museum der Bil­denden Künste. Parallel mit dieser Entwick­lung müssen noch -einige seltene Denkmäler im westlichen Teil des alten ungarischen Oberlandes — es handelt sich um den János­réter Passionszyklus, den Altar von Mosóc und die Martyrien-Bilder von Aranyosma­rót — mit der stilbildenden Rolle der aus dem deutschen Südwesten ausgegangenen Strömungen in Zusammenhang gebracht werden. 42 Alle Bilder, wie auch deren künstleri­schen Zusammenhänge wurden kürzlich von Dionys Csánky im VIII. Band der Jahrbücher (S. 12 u. v.) behandelt. 43 Die Zipser und Sároser Tafelmalerei etc. a. a. O. S. 39—40.

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