Csánky Dénes szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 10. 1940 (Budapest, 1941)
Nikolaus Csánky: Das Bartfelder Madonnen-Bild
Kompositionelle und stilistische Verwandtschaften sind oft auf die Vermittlung der frühen deutschen Kupferstiche zurückzuführen. Gleich den Bestrebungen der Malerei hat der weite Eroberungszug der einzelnen Blätter dieser neuen Kunstgattung ebenfalls in der Gegend des Oberrheins und der schwäbischen Seen seinen Ausgangspunkt genommen. In der Kunst des Krakauer Meisters sind unzählige Zeichen für die stilvermittelnde Rolle des oberdeutschen Kupferstichs zu finden. Eine unmittelbare Entlehnung beschränkt sich auf den Meister der Spielkarten (L. 1), während in den bereits erwähnten Fällen der etwa weiter hergenommenen Anregungen der Meister E. S. (L. 146) und ein Basler Stich (L. I., 161, 14) anzuführen sind. Der Aufbau der Landschaft jedoch, wie die Elemente seiner Gebilde (Burgen, Bäume, Pflanzen, Steine, Felsen und Schluchten), die Auffassung der Szenen und Tracht der Gestalten im allgemeinen tragen häufig das Gepräge oberdeutscher Graphik an sich. Die Vergleiche können auch weiter verfolgt werden. Man vermag, um auf die fernen Wurzeln des Stils zu verweisen, die Gruppe der Bekehrung des Hl. Paulus am Waweler Flügelaltar mit den grossartigen Reitern des Meisters des Todes Mariae vergleichen (L. 6). Bei dieser Schlachten-Komposition verspürte Benesch die Nähe des Worcester-Meisters. 11 In dem die Verspottung Christi darstellenden Bild des Augustiner-Zyklus ist im Gegensatz zur räumlichen Einstellung der Gruppe die unperspektivische Gestaltung des Bodens auffällig, dessen Muster ich auf einem Blatt des sog. Meisters der Liebesgärten (Dornenkrönung, L. 5) beobachtet habe (Abb. 41, 44). Die Wirkung der frühen deutschen Graphik kann jedoch auch in anderen, dem Krakauer Meister ferner gelegenen Werken festgestellt werden. Als seltenes und bisher noch unbekanntes Beispiel der unmittelbaren Übernahme erwähne ich das nicht publizierte Rahmenbild (79X65 cm) des Ukrainischen Nationalmuseums in Lemberg, das den Drachen tötenden Hl. Georg darstellt. 45 Den unteren Teil des Bildes füllt ein die Szene erklärender Text. Die Komposition ist unleugbar einem den gleichen Gegenstand behandelnden Stich (L. 35) des Meisters der Spiel44 Oesterreichische Handzeichnungen etc. a. a. O. S. 21. 45 S. den im Jahre 1913 veröffentlichten Führer des Museums: Iljustrovanij providnik po Nacionaljnim Muzeebi u Ljvovi. S. 3., 4. („Deutsche Schule, Ende des 14. Jahrhunderts.") karten entlehnt (Abb. 59—60). Von den oberländischen Denkmälern fügt sich der Bartfelder Hl. Andreas-Altar am ehesten dieser Richtung ein. Das Bild des Hl. Christopherus gemahnt leise an das weitaus inhaltsvollere Blatt (L. 10) des sog. Meisters des Johannes Baptista. Die Hl. Georg-Szene (Abb. 19) mochte sich wohl auf die gleichen Vorbilder stützen, wie etwa die eine Tafel des Waweler Altars (Abb. 13) und andere verwandte Lösungen (Krakau, Kunsthist. Institut der Universität — Abb. 18, Wloclawek, DiözesanMuseum — auf dem Altar der Krönung Mariae). Auf Grund des Bartfelder Bildes erscheint es durchaus nicht unbegründet, im reichen Bartfelder Urkundenmaterial schliesslich auch nach dem Namen und der Person des unbekannten Meisters zu forschen. Als Ergebnis dieser Tätigkeit habe ich ihn kürzlich — wohl nur bedingt — mit dem aus den Urkunden bekannten Sandezer Maler Jakob („Jacobus Molir mitteburger czu Czause" 46 ) identifiziert, dem Meister des einstigen Hauptaltars der St. Ägidius-Kirche zu Bartfeld. Wie aus den Mitteilungen Eugen Abels hervorgeht, 47 hat bekanntlich Johannes Aranias (Aranyasi) in einem in Leutschau am 29. April 1459 datierten Brief für den zu errichtenden Altar einen florentinischen Stoff im Werte von zehn Gulden gespendet. Den Vertrag zur Errichtung des neuen Altars hatten die Bartfelder im Jahre 1460 mit Meister Jakob abgeschlossen, 48 der für 100 Gulden und ein Festgewand erst nach langem Hin und Her seiner Verpflichtung nachgekommen war. Die materiellen Auslagen, sowie die dem Maler Jakob und einem seiner Mitarbeiter namens Nikolaus gezahlten Summen wurden in dem Rechnungsbuche* 9 der Jahre 1466—1474 unter dem 40 So nennt er sich in einem aus Sandez geschriebenen Brief. — Béla Iványi: Archiv der königlichen Freistadt Bartfeld. (Bártfa szabad királyi város levéltára.) I. Budapest, 1910. R. 1417. — Der Brief in seinem Ganzen wurde von Joseph Mihalik veröffentlicht: Berichtigung eines kunsthistorischen Irrtums. (Egy művészettörténeti tévedés helyreigazítása.) Anzeiger der Museen und Bibliotheken (Múzeumi és Könyvtári Értesítő), 1918. S. 192—193. Nach Mihalik ist statt der bisher bekannten Lesart des Datums 1462, richtig 10. Juni 1465 zu lesen. 47 Geschichtsarchiv (Történelmi Tár), 1884. S. 534, I. — Iványi, a. a. O. R. 1102. 48 Die Originalaufzeichnung hat Cornelius Divald auf Grund der Mitteilung Alois Rhodys bekanntgegeben: Die gotischen Flügelaltäre Ungarns (Magyarország csúcsíveskori szárnyasoltárai). I. Budapest, 1909. S. 23. 49 Iványi, a. a. O. R. 1665.