Petrovics Elek szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 6. 1929-1930 (Budapest, 1931)

Deutsche Auszüge der im Band VI enthaltenen Aufsätze

Gehalt von 15 Lire, welcher von 1 15!) oder von 14(50 ab aufs doppelte erhöht worden ist. Jetzt erst ist er offizieller «Dipintore del Studio», in der Nachfolge des 1450 verstorbenen Angelo. Zu dieser Zeit entsteht die Londoner sitzende Göttin für das Studio (Abb. 2). Da nun Angelo 1450 stirbt, von 1450 ab aber Tura am Werk ist, können wir annehmen, dass Michèle I'an­nonios Wirksamkeit für das Studio in die Zwischenzeit fällt, zu seiner Einladung zum Studio hat vielleicht der Tod Angelos An­lass geboten und nach der Einladung Turas im Ja lire 1 15!) zu folgern dürfte sein Tod 1459 (dokumentarisch vor 1404) zu datieren sein. Die Ceres ist also auf die Jahre 1456—59 zu versetzen. Ausser Micheles und Turas Göttinnenbildern (Ceres und Amphitrite?) sind noch zwei be­kannte Gemälde durch Borsos Emblemen als dem Studio angehörig bezeichnet : zwei (bei Venturi VII, III, p. 572—7:5 abgebildete) Göttinnen der Slg. Strozzi in Florenz. Stilistisch gehen sie aufs engste mit den beiden Musen zusammen, Avoraus man folgern könnte, dass sie Werke Angelos und erste Stücke jener Serie sind, welche nach 1450 von Michèle, nach 1460 von Tura fortgesetzt worden ist. Wenn wir die vier sitzenden Göttinnen des Studio in die oben skizzierte Entwicklungsskala einordnen wollen, so ergibt sich, dass die unter Pieros Einfluss stehenden Bilder Agnolos auch unabhängig von dieser Zuschreibung, einer früheren Phase angehören, als Turas man­tegneskes Werk : sie können also unmöglich in die Schule Turas eingereiht w r erden. Einer noch älteren Stilphase gehört aber Micheles Ceres mit ihren gotischen Stilgrundlinien an. Gotisch ist der Körperbau, das Sitzmotiv, der Kopftyp, ganz besonders aber das Motiv des linken Handgelenks. In dem Vortrag tauchen Beminiszenzen an den «weichen Stil» auf, welcher zur Jugendzeit Micheles in seiner vollen Blüte stand. Colasanti hat einen «Michèle d'Ungheria», welcher 1423 Gehilfe Gentile da Fabrianos war, mit unserem Meister identifiziert. Ein Hinweis auf den viel entwickelteren Stil der Ceres ist kein Gegenargument : es ist natürlich, dass gegen 1456—59 die Bedingungen ganz anders waren, als 1415 oder 1423. Michèle ging auf jeden Fall vom «weichen Stil» aus ; später modifiziert er sich unter dem Einfluss Squar­ciones, dann Bogers : die letzten Stilwellen der ferraresischen Entwicklung, der Einfluss Pieros und Mantegnas können ihn aber nicht mehr berühren. Drei Stücke einer Ancona (Abb. 4 und 5) mit Franziskanerheiligen (wohl aus der ferraresi­schen Kirche S. Francesco herrührend) werden nun auf Grund des Gesagten Michèle zuge­schrieben. Auch sie sind bei Venturi in die Schuir Turas eingeordnet, doch gehören sie der älteren, gotisch gebundenen Stilphase an. Sie sind ganz archaisch mit ihrer gotischen Anconaform, dem Goldgrund und den reich gravierten Nymben. Gotisch gebunden ist auch der Figurenstil. Analogien zur Ceres : der in L'nteransicht dar­gestellte Sockel mit dem Inschriftenband. Die Vasen an beiden Seiten der Figuren. Die Pose in den Vasen und in der Hand der' Ceres. Die Lilien in der Hand des Antonius und in den Vasen der Ceres (Ahl), <>). Die Hand und das Handgelenk des Bernardiruis (Abb. 7), ganz gotisch, fast noch im Sinne von Giovanni Pisanos Scrovegni geformt : im Gegensatz zu Turas Dominicus in Florenz (Abb. cS). Michèle Pannonio ist demnach nicht nur an Jahren, sondern auch stilistisch viel älter, als Tura. Er stirbt hochbejahrt, als Tura erst 2!) Jahre alt ist. Doch beweisen die Stilzusammenhänge, dass ein Schülerverhältnis zwischen ihnen trotz­dem bestand, wenn auch umgekehrt, als man es bisher glaubte : gegen 1445 durfte der 15 jährige Tura bei dem ungarischen Altmeister seine ersten Studien absolviert haben, um sich dann nach 1451 in Padua, in mantegneskem Milieu, weiter auszubilden. Eine unbekannte Bronzestatuette des Francesco di Gioruio VON ERWIN VON YBL In der an ausgezeichneten Stücken reich­haltigen Sammlung des Budapester Advokaten Herrn dr. Ernst Wittmann befindet sich eine 31 cm hohe, nach dem Guss ausgezeichnet be­arbeitete Bronzestatuette mit originaler Lack­patina, welche dem Bertoldo zugeschrieben war. (Ein anderes unpatiniertes Exemplar in der Pariser Slg. Jacquemart-André.) Der lor­beerbekrönte, vollhaarige bärtige Mann schreitet mit leichten Schritten vorwärts. Sein rechter Fuss berührt nur noch mit den Zehen den Boden, das Gewicht des Körpers ruht aber noch nicht auf dem Linken. Die vom Körper freigelösten Arme, die offenen Hände steigern noch die Beweglichkeit des Gehens. Aber ausser dem statischen und formalen Aufbau und Ponderieren der Figur bat den Meister auch ihre Beseelung interessiert : der unmittelbare seelische Kontakt mit der Aussenwelt, mit einem bestimmten Vorgang schreitet die mo­mentane Bewegung der Figur vor.

Next

/
Oldalképek
Tartalom