Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
FRANK STEINMANN: Steindorff in Nubien
hatte 1911 alle deutschen Archäologen und Ägyptologen zur Einweihung des von ihm gestifteten Museums in Hildesheim ... geladen. Bei einer geselligen Zusammenkunft tauschten die Kollegen ihre Erfahrungen und Pläne aus, und als ich von unserer Absicht in Ermenne und Toschke zu graben sprach, äußerte Prof. Steindorff von Leipzig den dringenden Wunsch, ebenfalls in Nubien zu graben und bat, ihm den Südteil unserer Konzession mit Anibe zu überlassen; er sei bereit, uns dafür eine seiner eigenen Konzessionen in Ägypten abzutreten. Auf meine Frage, welche er denn aufgeben wolle, antwortete er, er habe nun schon mehrere Jahre bei den Pyramiden von Giza gegraben und glaube, genügend Gegenstände für sein Museum und das von Hildesheim gewonnen zu haben; diese Konzession könne ich sofort übernehmen. Ich konnte meine Überraschung und Freude nur schwer verbergen und sagte natürlich sofort zu. Später, als unsere großen Funde zutage kamen, hat Steindorff den Tausch sehr bereut, aber er war klar abgeschlossen worden und eine Entschädigung erhielt er durch seine schönen Funde in Anibe, wenn diese auch mit unseren Giza-Funden keinen Vergleich aushalten können; eine weitere Entschädigung erhielt er dadurch, daß ich später vermittelte, daß ihm bei den Arbeiten des Survey of Nubia die Ausgrabung des großen Friedhofs und der Siedlung der C-Gruppe bei Anibe übertragen wurde." 2 Daraus geht zunächst folgendes hervor: Junker setzte die Arbeiten in Giza 1912 dort fort, wo Steindorff aufgehört hatte. 3 Steindorff hingegen begann 1912 seine erste Kampagne in Aniba. - Hier gibt es jedoch einen sehr merkwürdigen Sachverhalt: In der Einleitung der Aniba-Publikation, die erst 1935ff. erfolgte, erwähnt Steindorff den Konzessionstausch mit Junker überhaupt nicht. Im Gegenteil, er nennt sogar völlig andere Fakten: Es „wurde im Winter 1907/8 die erste wissenschaftliche Ausgrabung in Aniba von der Eckley B. Coxe jun. Expedition der Universität von Pennsylvania (Philadelphia) unter Leitung von C. Leonard Woolley und D. Randall-Maclver unternommen. Sie galt dem am Nordende des Dorfes hinter einem „Wald" von gelbblühenden Mimosen-Akazien gelegenen ,meroVtisehen' Friedhofe, ... Woolley und Maclver haben ihn als Begräbnisstätte der Festung Karanôg ; H. Junker, Leben und Werk in Selbstdarstellung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, phi 1 .-hist. KL, Sitzungsberichte, 242. Bd., 5. Abh., Wien 1963, S. 34-35. ' Während die Veröffentlichung der Steindorffsehen Grabung in Gisa damals nicht erfolgte, erschien Junkers umfangreiche Gisa-Publikation relativ bald. Im Gcneralplan ist dabei der Teil der Steindorff-Grabung ausgespart: H. Junker, Gîsa XII, Wien 1955, Gesamtplan und Teilplan 2. - Ein Gesamtplan des West-Friedhofs von Gisa ist veröffentlicht in: Egyptian Art in the Age of the Pyramids, New York 1999, S. 143.