Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

Der Typus des "Athleten mit den schönen Beinen" wurde aller Wahrschein­lichkeit nach für die Nanner-Palette geschaffen. Die grosse Königsfigur auf der oberägyptischen Seite 27 kommt in Proportionen und Gestik schon sehr nahe an die Konfiguration der historischen Zeit heran, ist an einigen Stellen aber noch etwas unentschieden. Am auffallendsten sind die überlangen, mit reicher Bin­nenmodellierung versehenen Beine, denen die energischen Muskelstränge auf den Armen antworten. Der mit einem sehr kurzen Schurz bekleidete, schlanke Rumpf bleibt unbetont. Der auf einer Standlinie hinter dem König angeordnete Sandalenträger, der bis auf ein dreieckiges Penisfutteral nackt ist, ist ebenfalls eine meisterhafte Verkörpening des männlichen Schönheitsideals. Bereits hier wurde die Konvention festgelegt, dass die Hüftpartie unbetont bleibt und auf die Darstellung der Geschlechtsorgane verzichtet wird. Indessen wird die Männ­lichkeit der Hauptfiguren auf der symbolischen Ebene hervorgehoben durch Ein­fuhrung des langen Schwanzes, der am Gürtel hängt. Beim König ist es ein Stier­schwanz, der demjenigen des angreifenden Stiers auf der unterägyptischen Seite der Palette 28 genau entspricht, und im Fall des Sandal en trägers sind es zwei lange, schwanzartige Quasten. Das weibliche Element ist auf der Narmerpalette in Gestalt der frontalen Bat-Gesichter präsent, die ein grossäugiges Frauenantlitz mit den Ohren einer Kuh aufweisen; sie sind teils am Gürtel des Königs und teils am oberen Rand der Palette in dominierender Lage angebracht. Wir kommen unten in Zusammenhang mit dem Hathor-Gesicht darauf zurück. Die Narmerpalette unterscheidet noch nicht zwischen Schreit- und Laufhal­tung. Die konventionelle Laufhaltung erscheint aber bereits in der 1. Dynastie auf einer Siegelabrollung des Den, 29 wo der König mit dem Apisstier zusam­men ein Laufritual durchführt. Die grundsätzlich gleiche, jedoch leicht abge­wandelte Haltung wird für das Motiv des "Niederschlagens der Feinde" ver­wendet, wobei der vordere Fuss flach auf dem Boden aufliegt, der vorgeneigte Oberkörper auf der aufsteigenden Diagonale und die Aktion der Arme auf der absteigenden angeordnet ist, wie es z.B. das Felsrelief Snofrus aus dem Wadi Maghara belegt (Kairo JE 38568). Das Laufmotiv ist vor allem auf den Sed­festdarstellungen der 5. Dynastie geläufig, wo der Herrscher zuweilen von einem laufenden Standartenträger begleitet wird. 30 11 Langc-Hirmcr, a.a.O. (Anm. 13), Tf. 3 (Kairo CG 14716). !S Lange-Hirmer, a.a.O. (Anm. 13), Tf. 4. 25 P. Kaplony, Die Inschriften der Ägyptischen Frühzeit III, ÄA 8, Wiesbaden 1966, Tf. 59, Abb. 211. ,u Schulz-Seidel, a.a.O. (Anm. 19), Abb. 1 auf S. 40 (Kairo JE 38568); Do. Arnold, a.a.O. (Anm. 13), Abb. 19 (New York MMA 22.1.1).

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