Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

ich zu Anfang betonen, dass die Darstellung eines Schönheitsideals nur ein einzelner Aspekt eines Menschenbildes ist, dem in der Gesamtwirkung eines Kunstwerks oft nicht einmal Priorität zukommt. Ich möchte dem Missver­ständnis vorbeugen, dass Werke, bei denen die Darstellung eines Schönheit­sideals eine Rolle spielt, hier auf diese reduziert werden sollen. Definition des sexuellen oder erotischen Schönheitsideals Die Definition lautet, auf eine ganz einfache Formel gebracht, wie folgt: Schön ist, was dem anderen Geschlecht gefallt. Laut neueren Untersuchungen, mit denen sich Klaus Richter und Nancy Etcoff vor kurzem auseinanderge­setzt haben,' ist körperliche Schönheit ein Grundprinzip der Evolution, nicht ein kulturelles Konstrukt. Wenigstens gilt dies noch für die Antike; die Frage eines Wandels der Dinge in der Neuzeit ist hier nicht zu behandeln. Im Lauf des stammesgeschichtlichen Werdens des Menschen fand eine ästhetische Selektion des Körperbaus statt. Der entscheidende Gesichtspunkt der Auswahl war das Vorhandensein gut ausgebildeter primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale, denn diese versprachen Gesundheit, Tüchtigkeit und Fortpflanzungsfähigkeit des Partners oder der Partnerin und somit "die Aus­sicht auf eine positive genetische Potenz fur Nachkommen". 4 Es spielte sich eine unwillkürliche Zuchtwahl ab, die das Gehirn mit der Zeit darauf pro­grammierte, den besten Partner oder die beste Partnerin an der "Schönheit" zu erkennen. Dieser Mechanismus funktioniert bekanntlich unverändert bis heute: Schöne Formen des Körpers und des Gesichts rufen Aufmerksamkeit, Begehren und Lust zur Paarung hervor. Beim Mann sind sexuelle Auslöser, nebst einem langen Penis, breite Schultern, eine geschwellte Brust bzw. ein muskulöser Torso und eine schmale Hüftpartie. Bei Frauen sind es, nebst gut gewölbtem Schamberg und Brüsten, ein ausladendes Becken mit Fettpolstern auf Gesäss, Hüften und Oberschenkeln. Bei beiden Geschlechtern können auch anderweitige Merkmale als sekundäre Geschlechtsmerkmale gelten, wie bei Männern ein kräftiger Hals, muskulöse Anne und Beine, und - bei beiden Geschlechtern - bestimmte Haartrachten. Die sexuellen Merkmale dürfen aber nicht übertrieben gross sein, sonst sind sie nicht mehr zweckmässig und gel­ten nicht mehr als schön. Wenigstens trifft dies auf historische Kulturen zu, 1 Klaus Richter, Die Herkunft des Schönen. Grundzüge der evolutionären Ästhetik, Mainz 1999; Nancy Etcoff, Survival of the Prettiest - The Science of Beauty, New York 1999. 4 Richter, a.a.O. (Anm. 3). S. 74.

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