Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

prähistorische werden hier nicht diskutiert, und auch nicht die in Ägypten seit dem Mittleren Reich verbreiteten Fruchtbarkeitsamulette, bei denen gerade die Übertriebenheit der Geschlechtsmerkmale wichtig ist. Auch das menschliche Gesicht hat ganz bestimmte Merkmale, die als schön bzw. sexuell attraktiv gelten. "Wichtig ist festzuhalten, dass die Bewertung der Schönheit menschlicher Gesichter nicht nur der zufälligen Streubreite indi­viduellen Geschmackes entspricht, sondern evolutiv entstandene und auch in der Gegenwart noch wirkende fortpflanzungsbiologische Kriterien zur Grund­lage hat". 5 Die experimentelle Ästhetik, wie sie u.a. von Eibl-Eibesfeldf' betrieben wurde, konnte einige Leitstrukturen in Gesichtern erkennen, deren Massverhältnisse bestimmend für die Attraktivität sind. Bei der statistischen Ermittlung dieser Werte war übrigens die elektronische Bearbeitung digita­lisierter Bilder ein revolutionierendes Hilfsmittel. Es geht um ein für beide Geschlechter gültiges Normgesicht, wobei es bestimmte, leichte Propor­tionsverschiebungen sind, die das weibliche Gesicht besonders attraktiv machen, und andere, die dasselbe beim männlichen Gesicht bewirken. 7 Die Hauptzüge des idealen weiblichen Gesichts sind die folgenden: der zum Oval neigende Umriss, die auf der Mittellinie zwischen Scheitel und Kinnspitze liegenden Augen, welche nahe zusammenstehen, das "Herzmündchen" von geringer Breitenausdehnung und das kleine Kinn. Das männliche Idealgesicht hat eine langgezogene, zum Rechteck neigende Form, Augen, die relativ weit oben in der Gesichtsfläche stehen und einen breiteren Abstand halten, und eine relativ grosse Unterkiefer-Kinnpartie mit möglichst gut sichtbaren Kieferwinkeln. Wir werden unten in Zusammenhang mit dem Porträttypus der Hatschepsut bzw. der Könige der Spätzeit die relevanten Merkmale genauer beschreiben. Hier sei noch auf die Beziehung zwischen dem attraktiven Gesicht und dem von Konrad Lorenz beschriebenen Gestaltprinzip des Kleinkindes, dem sog. Kindchenschema, hingewiesen. 8 Wir werden die relevanten Gesichtsmerkmale unten beim Porträt Amenophis' III. ausführlicher vorstellen. Wesentlich ist jedenfalls der im Verhältnis zum Hirnschädel relativ kleine Gesichtsschädel und einige Körpermerkmale wie vor allem der grosse Kopf, der kurze Rumpf ! Richter, a.a.O. (Anm. 3). S. 121. 6 Irenaus Eibl-Eibesfeldt, Die Biologie des menschlichen Verhaltens, Grundriss der Humanethologie, 3. Auflage, Weyarn 1997, 903-905, 917-922. 1 Richter, a.a.O. (Anm. 3), S. 120. " Richter, a.a.O. (Anm. 3). S. 122-128.

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