Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
LUISE GESTERMANN: "Gegrüßet seiest Du, Schöngesichtiger" - Zur Bonner Mumienmaske des Imhotep
Dort ist das Zeichen einige Male mit geschlossenem äußeren Rand geschrieben, was gegen eine Schreibung mit offener Seite abzugrenzen ist 23 . Die Wiedergabe mit geschlossenem Rand ist erstmals unter Ptolemaios II. belegt, nach Ptolemaios IV. wird die offene Form gänzlich aufgegeben. Auch die Strichführung beim Auge der w^.r-köpfigen Göttin im obersten Register des Hypocephalos ist innovativ: Die Zeichnung im unteren Bereich ist in einem Zuge umgesetzt, vertikaler Fortsatz und Spiralbogen sind also nicht getrennt voneinander ausgeführt. Andere Neuerungen hingegen, denen dieses Zeichen später unterworfen ist, zeigen die Schreibungen auf der Maske des Imhotep noch nicht. Auf dieser Grundlage dürfte es möglich sein, die frühe Ptolemäerzeit als Entstehungszeitpunkt für die Maske des Imhotep auszuschließen und eine Datierung in Mitte oder Ende der Ptolemäerzeit vorzuschlagen. Weitere Einschränkungen darüber hinaus lassen sich indes nicht machen 24 . Innerhalb der Gruppe ptolemäerzeitlicher Mumienmasken besitzt die Maske für Imhotep insofern besonderen Stellenwert, als die gemeinsame Anbringung von Hypocephalos auf der Oberseite des Kopfes und umlaufendem Inschriftenband mit dem Text von Kapitel 151a des Totenbuchs auf derselben Mumienmaske fast einmalig ist. Ähnlichkeit und dann gleich in mehrfacher Hinsicht - zeigt die Maske des Imhotep in besonderem Maße mit einer zweiten, die für einen "Châkhéper'VCha-Kheper" angefertigt wurde und die sich heute in Paris befindet (Louvre E. 26834a) 25 . Die Übereinstimmung betrifft sowohl die Integration der Kopfscheibe in die Mumienmaske - im Gegensatz zu der von der Herstellung der Maske getrennten Anfertigung des Hypocephalos - als auch die gemeinsame Anbringung einer Kopfscheibe und des Textes von Kapitel 151a des Totenbuchs auf derselben Maske. Für die Anbringung eines Hypocephalos auf einer Mumienmaske sind inzwischen drei Beispiele bekanntgeworden, die Maske in Paris, die des Imhotep in Bonn und außerdem eine Maske, in sich heute in Brüssel in Privatbesitz befindet 26 . Bei letzterer ist allerdings der ursprüngliche Kontext gestört, da der Hypocephalos von der übrigen Maske abgetrennt wurde. Soweit erkennbar, fin23 Hierzu und zum folgenden Detail s. M. Th. Derchain-Urtel, Epigraphische Untersuchungen zur griechisch-römischen Zeit in Ägypten, ÄAT 43, Wiesbaden 1999, S. 33 Iff. und Abbildungen, S. 387ff. '' Danken möchte ich Maria-Theresia Derchain-Urtel, die sich freundlicherweise bereit erklärte, mit mir die Frage des Entstchungszeitpunkts der Maske des Imhotep zu diskutieren und die eine Datierung in die zweite Hälfte der Ptolemäerzeit bestätigt. 2 ' Sie wurde - zusammen mit der dazugehörigen, unteren Mumienauflage (s.a. Anm. 19) - 1970 für den Louvre erworben; s. Vandier, a.a.O. (Anm. 19), S. 98f; vgl. a. Varga, a.a.O. (Anm. 4\ Fig. 13, S. 70; id., a.a.O. (Anm. /), Abb. 28f. 26 E. Varga, a.a.O. (Anm. 4), S. 69f. mit Fig. 12; anders noch Vandier, a.a.O. (Anm. 19), S. 98f. mit Anm. 16.