Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
LUISE GESTERMANN: "Gegrüßet seiest Du, Schöngesichtiger" - Zur Bonner Mumienmaske des Imhotep
Belagstücke auf der Mumie angebracht wurden 19 . Die Ausstattung der Mumienmaske mit einem Hypocephalos verweist gleichfalls in diese Epoche, da sich diese Grabbeigabe zu dieser Zeit besonderer Beliebtheit erfreute 20 . Zugleich läßt die Maske des Imhotep noch keine der für die römische Zeit charakteristischen Merkmale erkennen. Im Gegenteil ist sie noch sehr deutlich dem klassischen Stil und Kanon verpflichtet und zeigt noch nicht die für diese Epoche nachweisbare Loslösung vom altägyptischen Typus und die fortschreitende Individualisierung, die sich besonders deutlich in den Frisuren, aber auch in den Gesichtern ausdrückt. Sie läßt sich so ohne Probleme gegenüber Exemplaren aus römischer Zeit abgrenzen 21 . Eine genauere Datiemng innerhalb dieses Zeitraums gestaltet sich allerdings schwierig. Dies ist zum einen darauf zumcliznfuhren, daß keine datierten oder datierbaren Parallelstücke zur Verfügung stehen, zum anderen ist bislang aber auch noch keine Typologie ptolemäischer Mumienmasken erarbeitet worden, die eine Grundlage für die zeitliche Einordnung der Maske des Imhotep darstellen könnte (s. Anm. 18). Insofern ist es schon eher nebensächlich, daß der Fundort, also die Herkunft unbekannt ist, was die Berücksichtigung von verzögernden oder beschleunigenden Faktoren möglich machen würde. Auch der Name des Maskenbesitzers, Imhotep bzw. 'Iyj-m-htp.w, ist in der Frage der Datierung wenig aussagekräftig. Imhotep ist aus dieser Zeit ("griechisch") wie auch schon zuvor häufig bezeugt 22 . Für den Namen der Mutter S dnh (?) hingegen ist weder aus ptolemäischer noch aus vorangehender Zeit eine Parallele bekannt. Ein epigraphisches Detail vermag allerdings eine weitere Einschränkung vorzugeben, und zwar betrifft es die Schreibung von ^ auf dem Hypocephalos. Faces. Mummy Portraits from Roman Egypt, London 1997; ML. Bierbrier (Hrg.), Portraits and Masks. Burial Customs in Roman Egypt, London 1997; Zu Mumienporträts jetzt a. A. Freccero, Mumieporträtt, Nationalmusei Ârsbok 46, Stockholm 2000. Einen Überblick über die Entwicklung in der ptolemäischen Zeit vermitteln sie nur ansatzweise (s.a. noch im folgenden); des weiteren E. Bayer-Niemeier, Mumienmasken, in: Liebieghaus - Museum alter Plastik, Ägyptische Bildwerke III, Skulptur, Malerei, Papyri und Särge, Melsungen 1993, S. 414ff.; V. Schmidt, Sarkofager, Mumiekister, og mumiehylstre i det garnie Aegypten. Typologisk Atlas med indledning, Kobenhavn 1919, S. 225ff. " Solche Mumienbeläge sind z. B. für das al-Fayyum schon "im frühen Hellenismus" belegt, s. G. Grimm, a.a.O. (Anm. 18), S. 45. Es finden sich allerdings auch noch in römischer Zeit vollständige Mumienhüllen in Oberägypten, ibid.., S. 96ff; zu einem allgemeinen Überblick über die Entwicklung vgl. die Darstellung von Bayer-Niemeier, a.a.O. (Anm. 75), S. 414ff. - Hingewiesen sei auch auf die Mumicnauflagen, die zu einer Maske in Paris, der engsten Parallele zum Bonner Stück (s. im folgenden), gehören, s. J. Vandier, Chronique des Musées, Nouvelles acquisitions, Musée du Louvre. Département des Antiquités Égyptiennes, La Revue du Louvre et des Musées de France 21 (1971), No. 1, S. 95-106 (S. 99f. mit Fig. 9). 2 " Für die wenigen Beispiele von Masken mit integriertem Hypocephalos (s. im folgenden) schlägt Varga, a.a.O. (Anm. 4), S. 69, eine Datierung in ptolcmäische Zeit vor. 21 Für Beispiele der frühen Römerzeit s. Walker-Bierbrier, a.a.O. (Anm. 18), S. 77ff. 22 H. Ranke, Die ägyptischen Personennamen I, Glückstadt 1935, S. 9, 2.