Cseri Miklós, Kósa László, T. Bereczki Ibolya szerk.: Paraszti múlt és jelen az ezredfordulón - A Magyar Néprajzi Társaság 2000. október 10-12. között megrendezett néprajzi vándorgyűlésének előadásai (Szentendre: Szabadtéri Néprajzi Múzeum; Magyar Néprajzi Társaság, 2000)

SÁRI Zsolt: A szentemberek egy új típusa. A vallási közösségek laikus vezetői a mai magyar falvak katolikusai között

Ein neuer Typ von Heiligen Laienführer der religiösen Gemeinschaft unter den Katholiken der heutigen ungarischen Dörfer Zsolt SÁRI Die Untersuchung der Persönlichkeit, des Individuums sowie seiner Tätigkeiten gehört seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts zum Untersuchungsbereich der Ethnographie. Die Persönlichkeitsuntersuchung ist ein international anerkannter Teil der ungarischen Ethnographie und wird häufig als "ungarische Schule" bezeichnet, die bei der Untersuchung der Persönlichkeit des Märchenerzählers Bedeutendes geleistet hat und wirkte als anspornende Kraft auf die Untersuchung von Individuen und ihren Tätigkeiten in anderen Bereichen. Die Persönlichkeitsforschung führte in zwei Richtungen Forschungen durch: die eine ist die sog. psychologische Richtung, die die Persönlichkeit, die Psyche des Individuums untersucht, die andere - eher ethnographische Richtung - untersucht das Individuum auf indirekte Weise, durch sein Schaffen. Dies ist zur Hauptrichtung der ungarischen Persönlichkeitsuntersuchung geworden. Die Untersuchung von in religiösen Gemeinschaften auftretenden Individuen nahm mit der bis heute wirkenden Studie von Sándor BÁLINT Anlauf, worauf seitdem unzählige Arbeiten folgten. In meinen Forschungen habe ich die Rolle von Individuen studiert, die in heutigen religiösen (römisch­katholischen) Gemeinschaften eine führende Rolle spielen. Sie sind nicht mehr die ehemaligen "Bauernpropheten" und Totenseher. Sie sind vielmehr rationell eingestellte Menschen, die die Gemeinschaft nicht nur geistig, sondern auch materiell leiten. Neben den traditionellen Funktionen (Organisation von Hausandacht, Leitung von Wallfahrten, Heilen, "Totensehen", Visionen) erscheinen auch neuere: Leitung der Kirchengemeinschaft, Religionslehre, Organisation und Durchführung von karitativen Tätigkeiten, Organisation von Pilgerfahrten im In- und Ausland. Das Individuum hat die Möglichkeit durch die Traditionen seine individuellen Fähigkeiten zu entfalten, da die in den Traditionen geltende Gemeinschaftsnorm das Individuum nicht unterdrücken will. Obwohl heute das Individuum, das in traditionellem Sinne religiöse Gemeinschaften leitet und organisiert eine weniger wichtige Rolle spielt und weniger Möglichkeiten hat, doch besteht der Anspruch und die Möglichkeit, dass in religiösen Gemeinschaft Individuen mit organisatorischen und leitenden Aufgaben vorhanden sind. Es läßt sich jedoch nicht behaupten, dass jedes Mitglied der Gemeinschaft ihre Tätigkeit akzeptiert und schätzt: wegen ihrer Führungsrolle sind mehrere von ihnen neidisch oder eifersüchtig. In den früheren, viel einheitlicheren Gemeinschaften gab es auch immer Leute, die die Leiterindividuen kritisiert hatten, heute sind jedoch diese Kritikäußerungen in den zerfallenen, bzw. geschrumpften Gemeinschaften viel schärfer. Immerhin gibt es verschiedene Persönlichkeitsmerkmale, wie die Organisationsfähigkeit, die tiefe Religiosität, der suggestive Glaube, die sie über die Gemeinschaft hebt. Heutzutage, als die katholische Kirche nicht genug Pfarrer hat, besteht in den Kirchengemeinschaften viel mehr der Bedarf an Menschen, die die Bräuche gut kennen, gut organisieren können, gute Sänger sind und die durch ihren starken Glauben und ihr Missionsbewußtsein auf selbstverständliche Art zum religiösen Führer ihrer Gemeinschaft werden. In meiner Forschungsarbeit untersuchte ich zwei Typen von Individuen, sowie die Ähnlichkeiten und Gegensätze zwischen ihnen. Der erste Typ bewahrt noch einen wesentlichen Teil der grundlegenden Merkmale der Persönlichkeit der "heiligen Frauen" in traditionellem Sinne (Norm, Empathie, Visionen) sowie ihrer komplexen spirituellen Tätigkeiten (mentale Betreuung, Heilen). Der andere Typ steht vielmehr auf einem eher rationellen, materiellen Boden: in seinen Tätigkeiten stehen die Organisation der Gemeinschaft ohne Pfarrer, die seelische und materielle Leitung der Gemeinschaft, Kontaktpflege mit den Kirchenführern, sowie karitative Tätigkeiten an der ersten Stelle.

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