Velekei József Lajos: A MINDENSÉG ÖLÉBEN (Kiállítási katalógusok - Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2007)

VOTUM PROFANUM Ausstellung von Lajos József Velekei „Das ewige Nacheinander, wo jede Form nur eine seiner Stationen ist: das ist das Sein. " (Sándor Weöres) Für die Ausstellung aber auch für die gesamte schöpferische Tätigkeit von Lajos József Velekei trifft der Ausdruck „Gesamt­kunst" zu, da er Statuen, Gemälde und Graphiken gleichermaßen schafft Und noch mehr: diese installiert er im Ausstellung­sraum nach einem bestimmten Konzept. Wir sollten aber ja nicht glauben, dass die „Gesamtkunst" eine moderne Formulierung sei. Obwohl das Wort ziemlich jung ist (eine Erfindung des 20. Jahrhunderts), was es bezeichnet, weist auf den archaischsten Kunstbegriff hin. Ursprünglich bedeutete Kunst eine Einheit, sie war eins und unteilbar. In den archaischen Zeiten, als die bewusste Kunstauffassung im Sinne der Deutung der modernen Zeiten noch nicht existierte, gehörten die von uns dem Begriffbereich ,Kunst' nachträglich zugeordneten Bilder und Gegenstände zum Bereich des Zaubers. Die Tätigkeit, die wir mit unserem heutigen Begriff .Kunst' nennen, war eigentlich Magie und derjenige, der sie ausübte, der Meister der Magie, der Schamane war. Die Werke von Lajos József Velekei lassen sich mit dieser archaischen Kunstdeutung verbinden, unabhängig von der Gattung, seien es Statuen, Gemälde oder Graphiken. Das im Titel genannte Ausdruck 'votum profanum' (profanes Stoßgebet) spielt ebenfalls auf das grundlegendste Merkmal der Kunst von József Velekei an: dass er mit den archaischsten, natürlichsten, von jeder Manieriertheit und Künstelei freien Mitteln sakrale, genauer gesagt magische Werke schafft. Darauf deutet der Titel seiner Statue Magie, die von der Metamor­phose, von der Umwandlung erzählt; vom Weg, der zur Erfül­lung der Sehnsucht des Menschen nach dem Fliegen führt Der Titel meines Schreibens schwört im Zusammenhang mit Velekei absichtlich Bartók's Musikstück Cantata profana herauf und dadurch den Geist von Bartók, wie auch die Geschichte der in Hirsch verwandelten Jungen. Die .Verwandlung in Hirsch' lässt sich bei Velekei nicht nur auf die der Cantata profana zugrunde liegende Geschichte zurück­führen, sondern deutet auch auf die Tragödie des jungen Jägers der griechischen Mythologie, Aktaion. Aktaion erblickte zufällig die nackt badende Artemis an der Quelle Parthenios (laut einer anderen Version des Mythos soll er sich gerühmt haben, dass er ein besserer Jäger als die Göttin war) worauf ihn die Göttin als Strafe in Hirsch verwandelte und Aktaion wurde von seinen eigenen Hunden zerfleischt. Nachher rannten die Hunde zu Kheiron und suchten verzweifelt ihren Herrn. Um sie zu trösten, malte der Kentaur das Bild ihres Herrn. Die schönste literarische Beschreibung der tragischen Jagd finden wir bei Ovid in den Metamorphoses. Die Geschichte aus der Antike ist auch eine allegorische Darstellung der Kunst: der Kentaur, der die Hunde mit dem Bild ihres Herrn tröstete, benutzte eigentlich die Magie der Kunst. Für Velekei ist die ,Verwandlung in Hirsch' das Synonym des Verlaufs der künstlerischen Schöpfung. Die bei seinen Werken häufig dargestellten keilförmigen Motive erinnern an das Geweih. Bei den Kompositionen von Velekei schneiden diese sozusagen in die Oberfläche des Bildes oder der Statue ein, damit den Eindruck von Rhythmus und Trommelschlag erweckend. Die geweihartigen Bildelemente sprengen nicht die Komposition, sie reihen diese viel eher in eine strenge Struktur auf - diese Motive sind eigentlich wie die stärker antönenden, pulsierenden Bestandteile von musikalischen Akkorden. Velekei wirkt mit seinen visuellen Werken synästhetisch auch auf ein anderes Sinnesorgan, auf das Gehör - und so schlägt er Brücke zwischen bildender Kunst und Musik. József Velekei ist ein bedeutender Vertreter der Holzskulptur, der zentrale Teil dieser Ausstellung ist eine Serie von Plastiken. Vom organischen Material schafft er abstrakte Werke, wobei das fertige Werk die Lebhaftigkeit, die natürliche Form und die Substanz des Holzes in sich trägt. Gleichzeitig distanziert er sich vom Ursprung seines Materials durch die dargestellten Gegenstände, auch wenn der Gegenstand seiner künstlerischen Schöpfung gerade eben ein Baum ist - wie z.B. der in Gödöllő aufgestellte Weltbaum. Dieses Werk hat einen anthropomorphen Charakter: sein Stamm ist ein Doppelspiral - zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, sich umarmend? Eine Gestalt ohne Kopf? Oder ein geflügeltes Wesen? Eine der Bedeutungen des Baumes besteht für Velekei darin, dass er zur Modellierung des Menschen meist geeignet ist, weil er der Meinung ist, dass der Aufbau vom Bau und der vom menschlichen Körper identisch sind. Velekei strebt mit der Stilisierung dem Ziel nach, das Wesentliche optimal zu zeigen. Dem Ziel will er auch mit den Symbolen näher kommen, die in seinen Werken auf assoziative Weise entstehen. Das Weltbaum-Motiv ist ein stets zurück­kehrendes Element in seinen Werken. Der Weltbaum ist ein Symbol des Tao, er ist der Weg oder die bis zum Himmel reichende Leiter - ein Vermittler zwischen himmlischen und irdischen Sachen (auch das flügelartige Motiv bestätigt diese Deutung). Er kann mit der Mission der Kunst, mit dem Künstler identifiziert werden, bzw. kann als künstlerisches Bekenntnis interpretiert werden. In diesem Sinne ist das Holz als Material ebenfalls ein Medium, das symbolisch und konkret vermittelt: der Künstler äußert sich durch das Material, der Gedanke nimmt in ihm Gestalt. Das Holz ist gleichzeitig organisch und abstrakt, sowie verkörpert das Materielle und das Gedankliche (Immaterielle). Das Holz führt die Künstlerhand mit seiner Maserung, Linien und natür­lichen Formen, gibt ihr aber gleichzeitig auch die Freiheit. Velekei haut alle seine Statuen aus einem Block und färbt ihre Oberfläche nicht Das Holz mit seiner Naturfarbe ruft die Heiligen Hainen in Erinnerung, deutet auf das Holz-Alphabet, wo jede Baumart einem Buchstaben entspricht. Die Art des Schnitzens erinnert uns an die Pinselführung von Van Gogh, bzw. von Cézanne. Nochmals ein Beweis, dass für Velekei zwischen den Kunstgattungen keine Grenzen bestehen. 6

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