Csaplár Ferenc szerk.: Lajos Kassák / Reklame und moderne Typografie (1999)

Ferenc Csaplár: Lajos Kassák, der Buch- und Werbegestalter

dafür sind nicht allein mehrere Varianten des Zeitschriftenti­tels „Ma", sondern auch die nach dem Prinzip der Schablo­nenschrift geformte Buchstabenreihe im ersten Wort des Ti­tels auf dem Umschlagblatt von „Új művészek könyve" (Buch neuer Künstler), 4 3 der als monumentales Bauwerk erscheinende Buchstabe A im Plakatentwurf „Steyer Auto" 44 und der Buchstabe T als Achse in der Komposition des Wer­beblatts „Tó mozi" (Kino am See). 4 5 Das Streben nach bildkünstlerischem Effekt ist auch bei den Innenbögen der von Kassák entworfenen Druckerzeug­nisse zu beobachten. Ein vorzüglicher Beleg dafür ist die mit „Bildarchitektur" überschriebene Kollektion in der „Ma" vom 15. Oktober 1922. Der Text im Umfang von exakt einer vol­len Spalte bildet mit der senkrecht gesetzten, rot gedruck­ten, auf der linken oberen Seite der Textspalte als rote Linie wirkenden Titelzeile und die jeweils rot-schwarz gedruckte Bildarchitektur in den übrigen drei Spalten in ihrer Gesamt­heit eine neue Komposition. Für die Anordnung der Text­spalten und des Bildmaterials der Seitenpaare, die den Ein­druck geometrischer Strukturen und Bildarchitekturschemen hervorruft, finden sich in weiteren Heften von „Ma" reichlich Beispiele. Die auf die Schaffung der Strukturen gerichtete Absicht zeigt sich im regen Gebrauch von Linien, Balken und geometrischen Gebilden zum Ausfüllen von Flächen. Etwas Besonderes ist, wie Kassák in der ersten und einzi­gen Nummer der Zeitschrift „2 x 2" sein poetisches Werk „A ló meghal és a madarak kiröpülnek" (Das Pferd stirbt und die Vögel fliegen hinaus) publiziert. 4 6 Die aus dem Text des Titels gefertigte typografisch-grafische Komposition evoziert auf einmal die Vorstellung von Pferd und Vögeln, von Ster­ben und Hinausfliegen, und der Gedichttext selbst die Vor­stellung permanenten Wanderns. Er erscheint nämlich „nicht in Verszeilen, sondern in der vollen Spiegelbreite der Druck­seite und bildet kompakte Seiten, auf denen die Zeilen ledig­lich durch schwarz gedruckte Sternchen unterbrochen wer­den, die den verschiedenen Perioden gemäß am oberen Saum der Zeile plaziert sind. So sind die hellen Perlenreihen der schlanken Antiqua in unregelmäßigen Intervallen von dunklen Edelsteinen eingefaßt." 4 7 Als „extreme" Lösungsva­rianten mit bildkünstlerischem Effekt können die Seitenpaa­re in dem Anfang 1924 erschienenen Gedichtband „Ecce homo" von György Hercz (Hernádi) angesehen werden, die mit schwarzen und roten geometrischen Gebilden und geo­metrisch angelegten Titelzeilen geschmückt sind. 4 8 Gallerie Forthcomin, 1920er Jahre Collage / Kat. 31. 73

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