Csaplár Ferenc szerk.: Lajos Kassák / Reklame und moderne Typografie (1999)

Ferenc Csaplár: Lajos Kassák, der Buch- und Werbegestalter

tion aus den Buchstaben des Wortes „Dada" auf dem Titel­blatt zur ungarischen Übersetzung des Bühnenstücks „Gas­Herz" von Tristan Tzara ist in den Jahrzehnten seit ihrer Ent­stehung zu einem der meistgebrauchten Embleme der Kunst­richtung geworden. 1 8 In den Buchstaben-, Wort- und Textfor­mationen mehrerer Bildgedichte und Umschlagsgrafiken ist die Präsenz der geometrischen Grundformen als Ordnungs­prinzip erkennbar. Gleiches kennzeichnet die den „merz-bil­dern" von Kurt Schwitters nah verwandten Zeitungscollagen. Hier sowie bei einem Teil der Buchstaben- und Wortkompo­sitionen ist das Verfahren zu beobachten, das wir Umfunkti­onalisieren nennen können. Diese Werke, deren Wirkung zu­nächst eine der bildenden Kunst eigene ist, werden durch je­weilige Ergänzung mit einem Titel zu werbegrafischen Krea­tionen. Solche Ergänzungen sind in einer der Zeitungscolla­gen der Titelkopf von „Ma" und in der anderen der „Bécsi Ma­gyar Újság" (Wiener Ungarische Zeitung). 1 9 Die Titelzeile der „Ma"-Nummer vom 1. Februar 1923 ist ebenfalls auf die Doesburgsche Typografie zurückzuführen. Wie aus dem ersten Titelkopf von „De Stijl" ersichtlich, legte Vilmos Huszár seine Entwürfe bereits 1917 einheitlich recht­winklig an, das heißt er trachtete nach der Verwendung von Buchstaben, die ausschließlich aus Senkrechten und Waa­gerechten bestanden, und er verknüpfte damit die Absicht, auch durch die Buchstaben die Ideale des Konstruktivismus auszudrücken und zugleich die Eigenheiten der niederlän­Ma-Buch. Gedichte von Ludwig Kassák. Berlin 1923 Inneres Titelblatt / Kat. 61. 68 dischen Variante dieser Richtung erkennbar zu machen. Ein komplettes Abc auf der Basis dieses Prinzips schuf Does­burg 1919. 2 0 Unter Verwendung dieses Buchstabentyps entstanden in dichter Folge seine werbegrafischen Arbeiten, darunter das Titelblatt der Zeitschrift „Klei" (1919), das Pla­kat „Section d'Or" (1920) oder der Buchumschlag „Klassiek - barok - modern" (1920). 2 1 Der Buchstabentyp mit durch­weg gleicher Linienstärke, mit seiner Fundiertheit im Quad­rat und im Rechteck und gerade deswegen seiner Geltung als letztendliche Variante der geometrischen Abstraktion ge­langte durch Doesburgs Übersiedlung nach Weimar in den Umkreis des Bauhauses. Der Buchstabenkreation begeg­nen wir auf Egon Engelins Plakatentwurf für die Kölner Mes­se (1922) 2 2 sowie in mehreren Druckerzeugnissen der von August bis September 1923 veranstalteten Bauhaus-Aus­stellung: auf Fritz Schleifers Plakat, Joost Schmidts Rekla­meblatt und Paul Häberers Postkarte. 2 3 Kassák schuf ein halbes Jahr vor der Bauhaus-Ausstel­lung seine ersten rechtwinklig angelegten Buchstaben M und A. Mit ihrer an Bauten bzw. an Konstruktionsgerüste von Bauten erinnernden Form wecken sie den Eindruck konst­ruktivistischer Grafik. Die rechtwinklig gestalteten Buchsta­ben M und A erscheinen im Heft vom 15. September 1923 abermals. Auf dem Titelblatt weiterer Nummern kommen bei­de, unterschiedlich in den Proportionen und der Linienstär­ke, immer wieder vor. 2 4 Wie sehr Kassák diesem Buchsta­bentyp zugeneigt war, und daß er in ihm die typografische Verwirklichung des Konstruktivismus erblickte, zeigt sich auch darin, daß er ihn zur grafischen Vergegenwärtigung des Namens seiner Zeitschrift und seiner Bewegung in so wichtigen eigenen Werken verwendete wie auf der inneren Titelseite seines deutschsprachigen Gedichtbandes „Ma­Buch", auf dem für die Reihe Bauhaus-Bücher entworfenen Umschlag „Ma - Ungarische Gruppe" und bei der Gestal­tung des Plakats, der Einladung und des Programmblatts für den Ma-Abend in Wien am 8. Mai 1926. 2 5 Den gleichen Typ verwendete er, als er für die Budapester Buchhandlung Mentor warb, 3 6 die zur regelmäßigen Präsentation der Lite­ratur und bildenden Kunst der Avantgarde bereit war, oder als er für die Nummer der Zeitschrift „Magyar Grafika" (Un­garische Grafik), in welcher seine eigenen typografischen und werbegrafischen Arbeiten vorgestellt wurden, den Umschlag entwarf. 2 7 Es ist anzunehmen, daß die rechtwink­lig angelegten Buchstaben vom Titelblatt der „Ma" ihren Weg auf die Titelblätter mehrerer nicht ungarischer Avant­garde-Publikationen fanden. Beispiele dafür sind Friedrich Kieslers Umschlag für den Katalog der Internationalen Aus­stellung neuer Theatertechnik 1924 in Wien 2 8 und die Titel­blätter der letzten drei Nummern der von Tomoyosi Muraya­ma herausgegebenen Tokioter avantgardistischen Zeit­schrift „Mavo". 2 9 Eine Merkwürdigkeit im letzten Fall: Von dem Wort „Mavo" ist lediglich die erste Silbe rechtwinklig gestaltet; das heißt in der Titelzeile der japanischen Zeit­schrift ist das von Kassák entworfene typografische Emblem der Wiener „Ma" zu sehen. Spuren des geistigen Kontakts zum niederländischen Konstruktivismus sind in einem Teil der Zeitungsanzeigen von Kassák ebenfalls zu entdecken. Das typografische Schema auf der Rückseite der „Ma" vom 15. Oktober 1922 sowie ebenfalls auf der Rückseite der Nummern vom 15. September 1923 und vom 1. Juli 1924 - mittels Senkrech­ten und Waagerechten in kleinere Quadrate gegliederte

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