Csaplár Ferenc szerk.: Lajos Kassák / Reklame und moderne Typografie (1999)
Ferenc Csaplár: Lajos Kassák, der Buch- und Werbegestalter
Plakat für den Ma-Abend am 8. Mai 1926 / Kat. 75. Rechteckfläche und in den so entstandenen „Fenstern" die Titelzeilen einzelner avantgardistischer Schwesterzeitschriften-erinnert an untereinander korrespondierende Elemente in Gemälden und Grafiken von Mondrian, Theo van Doesburg und Vilmos Huszár bzw. an strukturelle Eigenheiten im Werk von allen dreien. Potenzen, wie sie in der Anzeige stecken, nutzte Kassák als konstruktivistischer Typograf nicht nur zur Werbung für Zeitschriften und Bücher, sondern auch zur Propagierung von Ideen und Gedanken. So entstand als Summierung seiner künstlerischen und politischen Ansichten vom Beginn der zwanziger Jahre die in der Nummer vom 25. Oktober 1922 mit dem Text „Zerstört, um bauen und baut, um siegen zu können" publizierte typografische Komposition, wo als visuelles Mittel für den Ausdruck des Gedankens nicht allein die Gliederung und typografische Anordnung des Textes diente, sondern auch die Ordnung der aus Linien entworfenen geometrischen Gebilde. Ebenfalls als Anzeige - als Propagierung eines politischen Programms mittels Text und grafischer Elemente - ist das Titelblatt der Nummer vom 15. September 1923 anzusehen; hier wird die aus den bauwerkartigen großen schwarzen Buchstaben des Zeitschriftentitels, aus einem roten Quadrat und dem Text „teremteni és szervezni és kisajátítani" (Schöpfer sein, organisieren und expropriieren) bestehende grafische Komposition rechts mit einem monumentalen roten Ausrufungszeichen und unten, unterhalb der Linien, von der Buchstabenreihe „aktivista folyóirat" (aktivistische Zeitschrift) abgeschlossen. Dank der einfallsreichen Strukturierung funktioniert „Ma" nicht nur als Zeitschriftentitel, sondern auch als Hinweiswort auf die fällige Aktualität der Aufgaben. Dieser plakativ marktschreierische Umschlag bzw. die als Umschlag verwendete Anzeige bildet in Kassáks werbegrafischem Labenswerk den Auftakt zu der Reihe von Arbeiten, deren Hauptelement das rote Quadrat ist; eine geometrische Form, die seit Ende der zehner Jahre dank Malewitschs Wirken als Maler und Theoretiker in der Rezeption zu einem Formäquivalent für revolutionäre Weltanschauung 69