Déry Tibor: Kék üvegfigurák. Elbeszélések 1920–1929. Versek 1916–1937 (Déry Archívum 2. Magyar Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)
Erzählungen
- Was sich liebt, das neckt sich - sagte die Jungfrau, erschauerte und küsste einen Engel, der mit weichen Flügelschlägen durch ihre Arme flog. - Ich liebe dich - sagte er wie rasen - was begehrst du? - Er weinte, schlug mit der Stirne auf die Erde und auf seiner Brust entstand aus blau leuchtenden Narben ein schmaler Kranz. Die Jungfrau schaute ihm träumerisch in die Augen. - Der Durian lispelte sie - ist eine edle Frucht, von der Grösse einer Rosskastanie, mit heftigen und schmerzlichen Stacheln bewappnet. Wer kennt ihr Fleisch, welches köstlich und zart ist, wie eine Creme? Doch der Geruch überwältigt wie Limburger Käse, weh-weh, es gibt keine Rosen ohne Domen, Geliebter! Ein Salamander kroch vom Baum, verwandelte sich in ein silbernes Säckchen und entflog mit dem Wind. Lange hörten sie noch sein Läuten. Dem tiefen Moos entschwebten kleine Töne, glühten auf und knisterten ersterbend. Aus dem Gesträuch fiel ein Mangoapfel in das Gras und verbreitete einen leichten Terpentingeruch. Die Jungfrau wandte sich von Ekel erfüllt ab und spuckte aus. - Was ist Ihr Beruf? - fragte sie streng - was für eine gesellschaftliche Stellung können Sie mir sichern, wie heissen Sie, wie alt sind Sie, wer gewinnt das nächste Derby, grossen Glanz hat der Mond und die Blätter fallen herunter, kennen Sie Tibor Déry, den träumerischen, doch grausamen Dichter? Sie befanden sich in einem finsteren Hofzimmer im fünften Stock, aus der Küche klang Tellergeklapper, das Gas brannte knisternd und von den Möbeln stieg Krautgeruch und eine verhungerte Motte auf. - Kannst dir deine Blusen selbst auswaschen! - hörte man im Nebenzimmer eine Stimme, eine Tür krachte und im Treppenhaus setzte sich der Aufzug kreischend in Bewegung. Die Glasfigur kniete vor dem Divan, schlug ihre glanzlose Stirne auf den Boden. - Ich lasse Sie hinauswerfen - sagte die Jungfrau - geben Sie mir Geld, ich will abends eine Serenade vor dem Fenster des Schauspielers singen. Der Schauspieler trat durch die Tür ins Zimmer, setzte sich auf einen Sessel. Draussen regnete es, der Graf kroch durch das Fenster, seine Kleider waren durchnässt. Der Ringkämpfer räusperte sich, küsste der Jungfrau die Hand. - Hm hm - sagte der Baron. Der Gatte lief durchs Zimmer, sie nahmen ihn beim Bart, zausten ihn. Der Direktor küsste die Jungfrau auf das Knie, flog empor und schwebte unter der Decke wie ein Luftballon. - Hah-hah sagte der Briefträger, schüttelte unsichtbare rosafarbige Briefe auf den Tisch, spuckte aus und ging weg. Im Nebenzimmer jammerte der Chor fehlgeborener Kinder, ein Diener verteilte Zetteln unter der Menge. Die Glasfigur hob die Faust, doch die Jungfrau war schon verschwunden, nur ihre Ferse sah man einen Augenblick, als sie in der Flugmaschine vor dem Fenster vorüberflog.