Déry Tibor: Kék üvegfigurák. Elbeszélések 1920–1929. Versek 1916–1937 (Déry Archívum 2. Magyar Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)

Erzählungen

- Wie viel Zeit haben wir vergeudet! - sagten die Glasfiguren, als die Jüngste zurückkehrte. Eine lange Narbe zog sich über ihre Stirne, ihre Flügel waren rissig und fahl wie Holz. Als es Abend ward, bogen sie um die Ecke. - Bleib stehen - riefen sie - bleib stehen! ­Sie waren sehr müde, doch liefen sie weiter. Am Ufer des Baum­wollensees nahmen sie Anlauf und übersprangen drei Stunden. Eine zertretene Sekunde blieb mit blutenden Gliedern auf dem Weg liegen. Längs der Allee sprangen Schusterbuben herum und zeigten den Glas­figuren ihre roten Hinteren. - Lasst uns hinunterspucken! - sagte die Jüngste. Doch sie war ausser Atem! Auf dem Dach des Zollamtes tanzte ein grosser Vogel. Eine dicht gedrängte Menge stand im Hof und starrte mit offenem Mund auf das Dach. Ein Neger kroch hinauf, küsste den Vogel, verschlang ihn dann. - Gebt mir in Fett gebackene Mehlspeisen und Ölfrüchte! - rief er hinunter, umarmte den Mond und tanzte. Der Schatten packte ihn im Flug und frass ihn auf. Ein anderer Vogel sang und verband die leuchtenden Köpfe der Türme mit Wolkenhaut. Es wurde finster. Dieser Vogel musste darum sterben. - Man muss die blaue Zitronenblume von der Spitze des Blitzableiters abschneiden - sagte der Postbeamte und telegrafierte die Weisung nach Sidney, Neu-Zeeland und nach dem Kap der guten Hoffnung. Der Totengräber sagte: Küsse den Erdboden und streu dir brennendes Natrium auf die Haare. In zwei Monaten wird deine schöne Schweizerkuh siebenfach kalben. Er küsste die Erde. In der Nacht ging er in den Stall, das Gesinde zog am Strick soeben das siebente Kalb aus dem Mutterleibe der Kuh. Alle waren erstaunt. Doch der Schatten stürmte hinter dem Stall hervor und verschlang die Erstaunten, die Schweizerkuh, die sieben Kälber, den Herren, den Totengräber, die elektrischen Birnen und das Heu aus dem Stall. Nur eine Spinne blieb auf dem Türpfosten am Leben, in der Früh flog sie fort und erzählte den Glasfiguren, was sich zugetragen hatte. - Ein unwürdiger Gegner! - sagten diese - er verwüstet die Wunder. Aber er weiss noch nicht, dass sich in den Lücken der Zeit seltsame Geschöpfe verbergen. Er wird am Schlag sterben, als Folge von Überernährung. ­Sie liefen weiter, unter ihren Füssen erglänzte das Schienennetz der asiatischen Hauptstadt. Ein Zug pfiff via Avricourt-Ostende, auf dem Dach der Schlafwagen lag der Schatten und schnarchte. In der Mitte des himmlichen Reiches sass ein gelber Mensch in einem Turm und sang. Tote Kulis und fruchtbeladene Flösse schwammen in rosafarbigem Nebel auf dem Jang-ce-kiang, aus dem Munde des Steuermanns flog ein goldener Drachen

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