Török Dalma (szerk.): Heinrich von Kleist. Miért éppen Kleist? (Budapest, 2016)
Függelék - Az irodalmi szemelvények lelőhelyei - Rövidítések jegyzéke
Aus dem Bisherigen hat sich natürlich bereits herausgestellt, dass Kleist der Beschränkung sprachlichen Verstehens nicht irgendeine reine paradiesische Konfliktlosigkeit des Gefühls gegenüberstellt, vielmehr präsentiert er uns in Penthesilea auch die vollkommene Aussichtslosigkeit des Gefühls. Der unlösbare Konflikt von töten und umarmen belegt, die reine Leidenschaft des Gefühls führt nicht dazu, dass sich der Widerspruch zwischen dem Gehorsam gegenüber äußeren Gesetzen und der inneren Freiheit der Wahl in der Liebe auflösen könnte. „Sie empfindet die Pervertiertheit des Kampfzwanges, aber sie weiß nicht, wie sie ihm entgehen soll. Ihre Gefühle finden keine angemessenen Worte, keine klärenden Begriffe mehr.“13 Das ekstatische Erlebnis des Gefühls, das über Penthesilea hereinbricht, und die Erwartungen diesem gegenüber geraten in einen unauflösbaren Konflikt, der sich bis in den Wahnsinn steigert. Sie vernichtet Achill, damit andere ihre Leidenschaft nicht erkennen, die die Gesetze ihrer (matriarchalischen) Welt leugnet. Die sich vor der Aufgabe und dem Brechen des Gesetzes fürchtende Frau flieht vor der Beschämung in die blutige Vereinigung der Abrechnung. Die Bemerkung, welch große und auf tragische Weise zerstörerische Rolle es in Kleists persönlichem Leben gespielt hat, anderen gerecht zu werden, die Erwartungen anderer zu erfüllen, muss hier wohl kaum mit seinen Briefen untermauert werden. Ich glaube auch sonst nicht, dass die biografische Entsprechung als Grundlage zur Erklärung dieses außerordentlich reichen Lebenswerkes dienen könnte. Immer wieder aufs Neue kehren die Schande, die Scham und die Beschämung zurück, die sich als im Gesicht brennende Schamesröte äußern oder als versagende Stimme, wenn etwa der General den russischen Grafen F. für dessen Einsatz lobt oder der Graf bei der Abendtafel erzählt, um die Gesellschaft zu unterhalten. Das begangene Verbrechen oder aber das sich unbewusst verbergende Vergehen offenbaren und vermitteln sich dennoch nicht unmittelbar verbal, oder wenn doch, auch dann nur in einer verborgen verzerrten Form. Mit zartem Gespür interpretiert Philippe Forget'4 die bei der soeben erwähnten Tischszene erzählte Schwanengeschichte, die das Vergehen des Grafen sehr eindeutig ve.rrät. Forget hebt in seiner Interpretation hervor, dass der Schwan der Verschiebung des verdrängten Bezeichneten, nämlich schwangeren Zustands, entspringt. Wir können hier selbstverständlich auch auf Freud verweisen, und zwar auf die für die Bewahrung des Ich- Ideals auftretende Verdrängung, als noch wichtiger erachte ich jedoch den Aufsatz Uber Scham und Schamgefühl von Max Scheler, in dem er davon spricht, dass die Scham eine Form des Gefühls von uns selbst sei, 143