Török Dalma (szerk.): Heinrich von Kleist. Miért éppen Kleist? (Budapest, 2016)

Függelék - Az irodalmi szemelvények lelőhelyei - Rövidítések jegyzéke

daher vollkommen ausgelieferte und einer Art von sozialem Schutz der Sprache entzogene Mensch gezeigt. Die Körperlichkeit, die Sehnsucht — gewissermaßen verschwiegen und unterdrückt — äußern sich durch den Körper doch auf irgendeine Weise, und dies taucht in seinen Werken in fast jedem Konflikt auf. Der als sprachliche Grenze verstandene Körper ist in seiner primären Betroffenheit ebenso mitteilsam und ebenso antwortgebend, in ihm, über ihn und durch ihn antwortet die Person indirekt auf den Zustand, dessen sie sich, wie wir wissen, nie vollkommen bewusst sein kann. Wir erinnern uns, unsere klarsten Erkenntnisse und Gedanken äußern sich häufig nur in einer bis ins Unkenntliche verzerrten Geste. Die den Körper ein­schränkenden Verhaltensregeln, vor allem sprachlichen Verhaltensregeln, ziehen den Kreis zunehmend en­ger, in dem sich der Mensch selbst äußern und dem anderen zuwenden kann. Denken wir nur an den aus Sehnsucht und Furcht erzeugten Augenblick in Die Verlobung in St. Domingo, als Toni sich dem Gesetz von Hass und Rache widersetzt, oder an den paradiesischen Augenblick in Das Erdbeben in Chili, der für kurze Zeit den Frieden der Seelen schafft, „als ob das allgemeine Unglück alles, was ihm entronnen war, zu einer Familie gemacht hätte“11. Oder erinnern wir uns an die Szene aus Der Findling, als der maskierte Auftritt Nicolos den Zusammenbruch Elvirens verursacht, durch das „Erscheinen“ des scheinbar lebendig geworde­nen, seit langem toten Geliebten bricht der kranke Körper der Frau voller unbefriedigter Sehnsüchte zusam­men. Die Enthüllung ihrer hinter verschlossener Tür vollzogenen Leidenschaft führt zu ihrem Tod. Die Scham, die Beschämung, das sich vor anderen ungeschützte Zeigen, die vor dem Blick anderer oder gerade vor seinem Körper geschehende Enthüllung, das ist das wahre große, bis heute wirkende und aufregende Geheimnis der Werke Kleists. Die vollkommene Verstörung und Verwirrung bis in die sinnlichen Elemente hinein, wie wir es etwa in Amphitryon sehen. Das Überschreiten der Zivilisationsgrenzen, das unerwartete Zusammenbrechen geregelten Verhaltens, die den Werken Kleists die grundlegende Schicht verleihen. Im Zusammenhang mit dieser Epoche kommt Norbert Elias zu der glänzenden Beobachtung, dass nämlich die unter dem Zwang der Selbstkontrolle heranwachsende zivilisatorische Sicherheit ihren Preis hat. („Wie die wechselseitige Abhängigkeit, so wird auch die wechselseitige Beobachtung der Menschen stärker: die Sensi­bilität und dementsprechend die Verbote werden differenzierter und differenzierter, umfassender, vielfältiger wird gemäß der anderen Art des Zusammenlebens auch das, worüber man sich schämen muß, das, was man an Anderen als peinlich empfindet.“)12 142

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