Török Dalma (szerk.): „Nekünk ma Berlin a Párizsunk”. Magyar írók Berlin-élménye, 1900-1933 (Budapest, 2007)
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die Institutionen des kulturellen Lebens in Ungarn kennzeichnete, und dass die Bilder und Vorstellungen von der Stadt sich von Beginn an aus Mosaikstückchen zusammensetzten, die persönliche Erlebnisse mit vermittelten Deutungen untrennbar verbanden. Eine wesentliche - doch nicht die wesentlichste - Komponente dieses Bildes war die nahezu bedingungslose Anerkennung der deutschen Kultur und Kulturvermittlung, für die (auch) in den Augen der ungarischen Schriftsteller zunehmend Berlin zum Garanten und hauptsächlichen Schauplatz wurde. Ignotus erhebt (in dem Bericht über seinen Besuch in Berlin 1908, indem er betont, so etwas weder in Budapest noch in Paris wirklich erlebt zu haben) die Gestalt des bis in die frühen Morgenstunden über Fragen der Kunst diskutierenden Intellektuellen zu einem typischen Bild, und sein Bericht formuliert als Schlussfolgerung: „In dieser Welt ist die Kultur nicht Sache des Snobismus, nicht nur ein modisches und verpflichtendes Spiel, eine Äußerlichkeit, nicht eine Brise, in der man die Stirn erfrischen kann, sondern ist, zumindest bei den Gebildeten, Luft zum Atmen geworden, oder sagen wir, ein körperliches Bedürfnis, das man sich nicht abzugewöhnen in der Lage ist, wie bei den Angelsachsen das Bad“.5 Die Kultur als Gebilde elementaren Bedürfnisses taucht später gleichfalls auf. In den Anfangsjahren des Ersten Weltkrieges staunt Aladár Bálint darüber, wie viel Platz in den Zeitungen die Konzertankündigungen - unmittelbar neben den Todesanzeigen der Gefallenen - einnehmen. Die Berliner gingen jetzt nicht feiern - schreibt er - „doch die Kunst gehört - nach ihrem Empfinden - zum alltäglichen Leben (kein Luxus, sondern Bedürfnis) ebenso dazu wie das Schlafen, die Kleidung, die Hygiene, wie die Kohle, der Zucker, der Straßenbelag, die Beleuchtung. Das ist Berlin. Budapest ist anders".6 Schon an diesen beiden Texten zeigt sich deutlich, dass das „fremde“ Berlin vor allem die Rolle des Spiegels einnimmt, in dem viele - damals und auch später - das nicht allzu schmeichelnde Bild der ungarischen kulturellen Verhältnisse und Attitüden, der Engstirnigkeiten und Schattenseiten erblicken. „Kann eigentlich auch jemand anderes als die deutsche Kulturvermittlung fremde geistige Produkte zu Weltruhm und Geld gelangen lassen?“ - fragt ebenfalls 1914 Artúr Bárdos, der sich über die Versprechen und Drohungen des deutschen (kulturellen) Imperiums auslässt und daran erinnert, dass sich in Deutschland die Literatur und Kunst der Franzosen, Engländer oder anderer Völker schon immer großen Respekts und besonderen Interesses erfreute, und dass dies auch nicht anders würde. „Dieses deutsche Interesse und die wohlgesinnte Voreingenommenheit allem gegenüber, das fremd ist, (...) das ist also nicht die Erfindung der heutigen Berliner Snobs und gierigen Lebenskonsumenten, sondern ein wichtiger charakteristischer Zug der ältesten deutschen Kultur.“ Für die Rolle der Kulturvermittlung sind „[die] Deutschen nicht nur geeignet, sondern sind dieser auch würdig (...): Sie sind am verlässlichsten. Und was die Hauptsache ist: Sie schätzen die Kultur am meisten.“7 Diese Begeisterung, die zu Beginn des Weltkrieges aus der gesteigerten Erwartung gegenüber dem großen Verbündeten folgte, kann auch übertrieben wirken, tatsächlich handelt es sich nur um eine stärkere Äußerung jenes permanenten, auch in seinen 1 86