Török Dalma (szerk.): „Nekünk ma Berlin a Párizsunk”. Magyar írók Berlin-élménye, 1900-1933 (Budapest, 2007)

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Veränderungen einheitlichen Wunsches, der die ungarische geistige Elite in die neue Metropole Europas lockte. Seit der Reichsgründung im Jahr 1871 sah Berlin einer neuen Glanzzeit entgegen: In der Zeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs verzelchnete die Stadt ein immenses Wachstum, und obgleich sie über den einzigen Architekten der .Gründerzeit’ später mit den Worten „grauenhafte Mißgeburten einer technisierten Bierphantasie“ die Nase rümpften,8 wurden die Bedingungen des Topos der „Goldenen Zwanziger“ doch bereits ab der Jahrhundertwende durch die elektrische Industrie, den Ausbau des Telefon­netzes, die S-Bahn und ab 1902 die U-Bahn, die weltweit erste Autobahn geschaffen; in politischer Hinsicht durch die zunehmend organisiertere Arbeiterschaft und die starke sozialdemokratisch-kommunistische Opposition; im Bereich der Wissenschaft durch die bereits weltberühmte Friedrich-Wilhelms-Universität oder den Vorläufer des späteren Max Planck Instituts (Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft); in den Künsten durch die gegen die konservative Kunstpolitik auftretende Berliner Secession oder das - vom Kaiser angeblich nur als „Rinnsteinliteratur"9 bezeichnete - naturalistische Drama. In dieses zunehmend wachsende, sich modernisierende, auch in kultureller Hinsicht immer vielfältigere Berlin sehnten sich die ungarischen Schriftsteller der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, so wie sich - vielleicht mit konkreteren Vorstellungen von den Möglichkeiten, den Anknüpfungspunkten und einem Ertrag des dortigen Aufenthaltes - auch die Maler, Schauspieler, Filmleute hierher sehnten. Ganz wie der damalige touristische Slogan mit säulenartigen Lettern die das Brandenburger Tor stili­siert befahl: „Jeder einmal in Berlin“. Fast jeder wollte wenigstens einmal die Stadt sehen, und nicht wenige blickten ihrer Reise nach Berlin mit den größten Erwartungen entgegen. Es könnte ein eigener Band von den Geschichten handeln, welche die Abreise der ungarischen Schriftsteller nach Berlin zum Inhalt haben. Der Auftakt der Erzählung Scham von Béla Balázs („Es war einmal - in Berlin.“) zitiert die Stadt als Reich des Märchens - der Wunder und Möglichkeiten -, in das sich der Ich-Erzähler 1906 mit einem „Traum-Baedeker“ aufmacht. Alles gibt es hier „worüber ich zu Hause in den Büchern gelesen, was ich in Bücher hineingeträumt hatte" und "begab mich, indem ich pedantisch darin blätterte und ihn zu wiederholten Vergleichen heranzog, auf die Suche nach dem Anderen, nach dem ganz, ganz Anderen".10 Nicht weniger märchenhaft gerät auch die erste Reise von Menyhért Lengyel nach Berlin im Jahr I 908: Aus seinen Erinnerungen wissen wir, dass ihn, den kleinen Beamten, der bislang in unerreichbaren Höhen thronende Generaldirektor nach den ersten Theatererfolgen in Ungarn rufen ließ: „»Und sagen Sie mir jetzt, junger Freund, was ich für Sie tun kann?« Ich konnte kaum antworten. »Ich war nie im Ausland, ich würde gerne nach Berlin fahren, wo, wie ich höre, Reinhardt eine neue, große Epoche der Theaterkunst einleitet.« »Recht so - fiel mir der Direktor ins Wort ich gebe Ihnen sechs Monate bezahlten Urlaub und natürlich Spesen, und dann erzählen Sie mir, was Sie gesehen haben. «“11 1 87

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