Török Dalma (szerk.): Mantel der Traume. Ungarische Schriftsteller erleben Wien, 1873-1936 (Budapest, 2011)
Studien - Ilona Sármány-Parsons: ein begeisterter wiener mit ungarischer identität
Hevesi schrieb neun Jahre hindurch zahlreiche Feuilletons, eine Auswahl davon gab er unter dem Titel Karcképek [Skizzenbilder] als Buch heraus.7 Schon damals analysierte er in gründlichen und problemorientierten Kritiken Ausstellungen der bildenden Künste in Wien. Anfänge der Wiener Journalistenlaufbahn Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte Lajos Dóczi8 (1845-1919) die Aufmerksamkeit des Barons Gustav Heine (Besitzer des Fremdenblattes) auf den jungen Journalisten gelenkt. Auch Dóczi war jüdischer Abstammung, hatte Jura studiert und war ein junger Schriftsteller in Wien, der ebenfalls im Blatt Borsszem Jankó publizierte, und auch er gehörte zu dem berühmten Schriftstellerkreis Kávéforrás [Kaffeequelle]. Ende 1871 gelangte er erneut nach Wien, Gyula Graf Andrássy nahm ihn mit sich in das Gemeinsame Außenministerium. Neben seiner amtlichen Arbeit schrieb Dóczi zahlreiche Feuilletonartikel (unter vier verschiedenen Pseudonymen), vor allem für das Neue Pester Journal, dazu übersetzte er viel und schuf lyrische, neuromantische Märchendramen.9 Das wichtigste Stück von diesen war A csók [Der Kuss], das Hevesi mit einem derartigen Erfolg ins Deutsche übertrug, dass dieses zarte, romantische Versdrama 1877 zu einem Kassenschlager im Burgtheater wurde. Dóczi wurde I 895 zum Leiter des Wiener Literarischen Büros, der Pressestelle des Außenministeriums, das er bis zu seiner Pensionierung I 902 mit großer Umsicht führte, für seine Arbeit wurde ihm I 900 der Barontitel verliehen. Dóczi stand Hevesi in seiner Erziehung, mit seinen literarischen Idealen und auch seinen politischen Anschauungen sehr nah. Beide waren leidenschaftliche Anhänger Andrássys und Befürworter des Ausgleichs, ihr ungarischer Patriotismus hinderte sie nicht daran, für die Kultur in Wien zu schwärmen, sie übernahmen die für Wien typische leichte, spielerische Lebensauffassung. Der entscheidende Unterschied war, dass Dóczi - neben seiner politischen Laufbahn - den ungarischen (manchmal auch deutschen) literarischen Erfolg suchte, während Hevesi in Wien seine Wurzeln schlug und sich als deutschsprachiger Schriftsteller durchsetzen wollte. Die Vorteile, ein Feuilletonredakteur zu sein Offensichtlich hatten seine Freunde Hevesi I 857 einen sehr angesehenen und gut bezahlten Arbeitsplatz verschafft, doch gab es auch eine andere Motivation, die den jungen Journalisten mit seinen literarischen Ambitionen nach Wien lockte. Als er, wie es in seiner Familie üblich war, zu Beginn der siebziger Jahre die Malerkolonie in Szolnok 134