Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
8. Colçodéi seu liber de peste des Bartholomaçus Squarcialupis de Plumbino
COLCODEI SEU LIBER DE PESTE DES BARTHOLOMA£US SQUARCIALUPIS DE PLUMBINO* Seit der Pandemie im 14. Jahrhundert, die unter dem Namen ,,Der Schwarze Tod" in die Geschichte eingegangen ist, nimmt die Pest auch in der Literatur der Medizin 200 Jahre lang eine zentrale Stelle ein. Obzwar es eine kausale Therapie nicht gab und die Ursache der Seuche unbekannt war, beschäftigten sich zahlreiche — zumeist populäre — Schriften mit der Behandlung, aber auch mit den Problemen der Vorbeugung der ,,mors nigra". Es ist daher sehr verständlich, daß man unter den ersten medizinischen Wiegendrucken des öfteren Erstdrucke von Pestschriften findet. Unter den ersten medizinischen lñçųñabe ñ in Mitteleuropa befindet sich z. B. das Regimen pestilentiae des Albicus 1. Das Werk wurde 1484 bei Marcus Brandt in Leipzig verlegt. Die erste lñçųñabe medizinischen Inhaltes in England 1485 ist auch ein plagųe tract 2. Die Autoren der medizinischen Wiegendrucke sind in der Medizingeschichte fast ausnahmslos wohlbekant. Da aber die Incunabelforschung aufs engste mit der Handschriftenforschung verbunden ist, ist prinzipiell jedes Manuskript des ausgehenden Mittelalters auf das genaueste zu prüfen. Werke, die in Druck gelegt wurden, sind in der Wissenschaft fest verankert; Handschriften dagegen entziehen sich nicht selten der Aufmerksamkeit. Dieses Schicksal ereilte auch die Schrift des Bartholomaeus Squarcialupis de Plumbino. Er blieb in der medizingeschichtlichen Literatur völlig unbekannt. Die Forscher der mittelalterlichen Medizin wissen nichts über ihn zu berichten 3. Das Gelehrtenlexikon von Jöcher kennt den Namen nicht und auch im Verfasserlexikon ist über unseren Meister Bartholo nichts zu finden, geschweige denn in den Lehr- und Handbüchern der Medizingeschichte. Die Handschriftenabteilung der Nationalbibliothek in Wien verwahrt ein Manuskript (Sign. Cod. lat. 2349), das im Kolophon folgenden Titel trägt: ,,colcodei 4 seu Uber de peste." Die Handschrift enthält 55 Pergamentblätter, beschrieben mit einer gut leserlichen Rotunda, zahlreichen Initialen und einigen schön illuminierten Miniaturen. Die Sprache ist ein korrektes Humanistenlatein (Die benützten Abbreviationen sind zumeist Contractionen und nur teilweise Suspensionen). * Ersch. ¡n: Sudhoffs. Arch. 44,4 (1960) 334-340. 1 Vgl. Emil Schultheisz: Gedruckte liturgische Bücher als medizinhistorische Quellen, Janųs 48 (1959), 49. 2 D. W. Singer: Some Plagųe Tractates, Proç. Roy. Soç. Med. 9 (1916), 159. 3 Herrn Prof. Diepgen, der die Angelegenheit untersucht hat, bin ich zu besonderem Dank verpflichtet. Auch möchte ich an dieser Stelle den Herren Prof. G. Eis, Heidelberg und Dr. Weimann, Marburg meinen verbindlichsten Dank für ihre Bemühungen aussprechen. 4 Sÿñoñ¡rna Rasis (Venedig 1497): Colcodeia, id est derivatio vitae. Ist der Titel so zu verstehen? Schrift ]