Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

8. Colçodéi seu liber de peste des Bartholomaçus Squarcialupis de Plumbino

54 Das Manuskript besteht eigentlich aus zwei Büchern. Der erste, größere Teil ist der Pest­ractat sensu strictiori und endet am Verso des 45sten Blattes mit dem Rubrum: „Explicit li­ber colcodei." Der zweite Teil folgt schon an der Recto-Seite des Fol. 46: „Incipit antidota­rium Colcodei Bartoli de squaricialupis de plumbino in quo ponuntur medicine simplices advenientes in peste." Auf Folio 54a begegnen wir zwei Miniaturen: einem Destillier- und einem Fumigationsapparat, wie das auch aus den Überschriften erkennbar ist (Abb. 1). Die Unterschrift des zweiten Bildes beendet das Werk und kann als Explicit des ganzen Werkes betrachtet werden: „Explicit liber Colcodei Artium et Medicine doctoris bartoli de squarcia­lupis de plumbino ad honorem et gloriam altissimi dei et ad salutem et sempiternam victo­riam sacratissime maiestatis cesaris semper augusti Sigismund Regis boemie et ungarie Amen." Die zwei Teile bilden sinngemäß ein einheitliches Werk, wie das auch schon aus dem In­dex der Kapitel (fol. la bis 2a) ersichtlich ist. Die ganze Handschrift zählt 44 Kapitel, in den weiteren als „Questiones" geordnet, worin auch die Questiones des Antidotarium erfaßt sind. Auch der Index endet ganz unmißverständlich mit folgenden Worten: „Expliciųñt capi­tula antidotarii et libri colcodei" (fol. 2a). Was die Entstehungszeit des Liber de peste anbelangt, kann folgendes bemerkt werden: Das Werk wurde dem König Sigismund gewidmet, als er bereits Caesar augustus war. Sigis­mund wird 1433 zum römischen Kaiser gekrönt, dieses Jahr kann also als terminus post quem betrachtet werden. Auf Fol. 14a gibt Bartholomaeus de Plumbino einen Überblick über die Pest in Florenz in den Jahren 1415 sowie 1427 und 1428. Danach würde die Handschrift nicht vor 1429 verfaßt sein und nicht nach 1437, im Todesjahr Sigismunds. Wo die Handschrift verfertigt wurde, läßt sich schwer näher bestimmen. Der Stil der Miniaturen weist auf einen italienischen Meister hin. Italienische Illuminatoren waren auch am Hofe des Königs Sigismunds von Ungarn in Buda (Ofen) angestellt. Weit interessanter ist das Problem der Person des Autors: Daß er ein Italiener gewesen sein muß, steht außer Zweifel. Abgesehen vom Namen, sind dafür schriftliche Beweise zu finden, wie ich das später mitteilen darf. Daß er eine geraume Zeit in Florenz ansässig war, schreibt er selber (fol. 15b). Dort hat er die Pestepidemie im Jahre 1415 miterlebt. Noch im selben Jahr befand er sich in Bologna „... đum bononiae essem in anno domini 1415...." (fol . 25a), wo er den berühmten Meister Ugolino de Monte-Catino getroffen hat 5. Den größten Teil seines Lebens verbrachte aber Meister Bartholo in Ragusa. Allem Anschein nach war er ein hoch angesehener Bürger des Freistaates Ragusa. Ragusa stand seit 1357 unter dem Protektorat der ungarischen Krone und hatte rege Beziehungen mit Ungarn bis 1527 6. In dem Schriftwechsel zwischen dem Senat von Ragusa und dem König Sigismund ist vieles über die in Ragusa wütende Pest zu lesen 7. Während dieser Periode — insbesondere unter der Herrschaft von König Sigismund — erreichte der Freistaat Ragusa seine Höhe an Macht wie auch im wirtschaftlichen Leben. Sigismund zeigte sich als ein wohlwollender Protektor; dies wußten die Ragusaner sehr zu schätzen 8. Die Gewogenheit des Königs ging so weit, 5 Ugolino di Caccino da Montecatini (1345—1425) war einer der hervorragendsten Ärzte seiner Zeit in Italien, gewiß der bedeutendste Zeitgenosse des Bartholo de Plumbino. Er verfaßte auch einen Traktat über die Pest. Vgl. Hierzu: W. Bombe: Arch. Gesch. Med. 5 (1912), 225—239. 6 J. Ch. von Engel: Geschichte des Freystaates Ragusa. Wien 1807. 7 J. Gelcich: Diplomatarium Ragusinum. Budapest 1887, 182 ff. 8 Ein Schreiben der Stadt Ragusa vom 24. Okt. 1408 begrüßt den König anläßlich seiner Genesung. Gelcich 1. c.

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