József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)
Lecturis salutem (S. Fekete, E. Schultheisz)
Kreisen, als auch in den breiten Volksschichten zu einer Passivität gegenüber der Medizin führte. Neben der allgemeinen Rückständigkeit des Gesundheitswesens sollte man auch die Schwierigkeiten erwähnen, mit denen sich die großen Wissenschaftler konfrontiert sahen. Semmelweis hatte nur einige wenige Betten zur Verfügung, um seine die ganze Geburtshilfe von Grund auf revolutionierende Entdeckung zu beweisen. Und in das „Laboratorium" Pasteurs konnte man nur mit gebeugtem Rücken eintreten. Von wie vielen Feindseligkeiten waren die Forscher umgeben ! Wie tief war der Irrglaube verwurzelt, den zu beseitigen sie auf sich genommen hatten! Der Mensch von heute hat im Interesse der erfolgreichen Forschung von morgen von seinen Vorgängern zu lernen, daß zur Formulierung neuer Gedanken und zu deren praktischer Anwendung das mit Intuition gepaarte Wissen nicht ausreicht, sondern daß dazu auch ausdauernde Arbeit, Standfestigkeit und häufig Mut nötig ist, denn nur so kann man den Kampf gegen die Rückständigkeit erfolgreich aufnehmen. Die Geschichte der Medizin trägt über das engere Gebiet der Heilkunde hinaus auch zum tieferen Verständnis der Taten und der Individualität hervorragender Persönlichkeiten — führende Staatsmänner und Heerführer, hervorragende Köpfe der Wissenschaft und Kunst — bei. Das Verhalten vieler historischer Persönlichkeiten war beeinflußt von ihrem Gesundheitszustand, so Nero und Napoleon durch ihre Krankheit, Kaiser Wilhelm durch einen Armbruch usw. Kriegserfolge wurden durch die eine oder andere im Heer ausgebrochene Seuche zunichte gemacht. Magellans Weltumseglung wurde durch die Wahrnehmung ermöglicht, daß der bei langen Seereisen auftretenden Skorbut durch das Verzehren von Zwiebeln und frischen Pflanzen vermieden werden kann. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870—71 war auf französischer Seite die Zahl der Pockenkranken höher als die der Verwundeten; bei den Deutschen dagegen war — nach der Einführung des Lis er-Verfahrens — die Zahl der geheilten Verwundeten größer. Die gefährlichen Auswirkungen der Dschungelgebiete wurden im Zweiten Weltkrieg durch die Anwendung von DDT ausgeglichen. Doch ist es auch interessant, einmal umgekehrt, von der anderen Seite her zu untersuchen, wie sehr die Kriegssituation durch die Gestaltung des Gesundheitswesens beeinflußt war. Es genügt zu erwähnen, in welchem Maße die Kreuzzüge die Syphilis und Lepra verbreiteten und Epidemien verursachten. Von einem anderen Gesichtspunkt aus dagegen leistete der Zweite Weltkrieg in nicht geringem Maße der Herstellung und Anwendung des Penicillins und der Antibiotika Vorschub. Diese zeitlich und örtlich herausgegriffenen Beispiele sollten nur die geschichtswissenschaftliche, bildungs- und streng genommene fachhistorische Bedeutung der medizinhistorischen Forschungen verdeutlichen. Das Museum und die Bibliothek für die Geschichte der Medizin „Ignác Semmelweis" ist 8