József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

keine Ärzteausbildung, und die wißbegierigen jungen Leute waren gezwungen, ins Ausland zu gehen. Da an der Wiener Universität selbst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch keine Protestanten zum Arzt promoviert wurden, kamen für sie nur die Universitäten in Holland, in der Schweiz und in England in Frage. Ein Großteil der jungen Ungarn wurde von Städten oder hochgestell­ten Persönlichkeiten mit Stipendien unterstützt, für die sie die Verpflichtung übernehmen mußten, nach Abschluß ihrer Studien in den Dienst ihrer Mäzene einzutreten. 1. Medizinische Fakultäten an den Universitäten in Nagyszombat, Buda und Pest Péter Pázmány gründete 1635 die Jesuiten-Universität in Tÿrñau (Nagyszom­bat, Trnava), die keine medizinische Fakultät hatte. Auf der Sitzung der Nationalversammlung im Jahre 1723 tauchte zum ersten Mal von sei en der Stände der Wunsch auf, die Tÿrñauer Universität durch eine medizinische Fakultät zu erweitern. János Perliczi (1705—1778) wandte sich im Jahre 1751 mit einer ähnlichen Bitte an Maria Theresia, fand jedoch kein geneigtes Ohr. Auf Rat und Fürsprache Gerard van Swietens, des „medizinischen Reforma­tors des österreichischen Reiches", kam die medizinische Fakultät in Tÿrñau zustande. Am 7. November 1769 wurde das allerhöchste Handschreiben aus­gestellt, welches den Unterricht der Medizin anordnete. Dieser Tag ist ein Meilenstein in der Geschichte des medizinischen Unterrichts in Ungarn. Auf Grund von Faktoren, die eine zeitgemäße Ausbildung verhinderten — wenig Patienten, beschränkte Möglichkeiten zum Sezieren usw. — wurde die medi­zinische Fakultät samt der ganzen Universität 1777 erst nach Buda, später dann endgültig (1784) nach Pest verlegt, wo sie bis heute ihre Tätigkeit ausübt. Die Geschichte der Gründung der medizinischen Fakultät wird in einem 75 gesonderten Schaukasten vorgestellt. Ein Originalfarbstich von Georg Hoefnagel (1542—1600) zeigt den Bischofssitz Nagyszombat (lateinisch Tyrnavia) im ausgehenden 16. Jahrhundert. In der Mitte des Schaukastens sind das 1777 ausgestellte Nagyszombater Physikus-Diplom des ersten Mitgliedes der großen ungarischen Ärztedynastie, István Lumnitzer (1747—1806), die Miniatur mit 77 seinem Bildnis und seine Dissertation zu sehen. Neben Gedenkplaketten sind die Werke berühmter Ärzte dieser Zeit — van Swieten, Pieñck — zu sehen. Neben dem Manuskript des berühmten Professors der Universität, Jakob Winter (1732—1809), über die „Blutentzündung" (1800) ist — mit reich illustriertem Titelblatt — das Werk „Curiosa et selectoria Variarum Scientia- 78 rum..." von Márton Szentiványi zu sehen. Das Werk erschien 1691 in der Druckerei der Tÿrñauer Universität und wurde in der medizinischen Ausbildung als Lehrbuch benutzt. Hier erhielt auch ihren Platz die „Pharmacopoea 53

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