József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)
Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)
4. Der Islam und das Gesundheitswesen Die beiden Grundpfeiler der islamischen Kultur sind die arabische Sprache und der mohammedanische Glaube. In ihrer Blütezeit reichte ihre räumliche Ausdehnung von Indien bis Spanien. Sie schmolz die Kultur der unter ihrer Herrschaft stehenden Völker: der Perser, der Aramäer, der Kopten, der Juden sowie der Völker Mittelasiens in sich ein. Die arabische medizinische Literatur rettete und bereicherte die Klassiker der antiken Medizin. Die nestorianischen christlichen Ärzte übten eine große Wirkung auf die arabische Heilkunde aus. All das hatte — durchdrungen von mohammedanischem Geist — eine eigenartige Bildungssynthese zur Folge. Die Kultur des Islams erlebte ihre Blütezeit zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert. Die heilige Schrift des Islams, der Koran, enthält auch — hinsichtlich der Sauberhaltung, der Fastenzeiten usw. — Verordnungen des Gesundheitswe44 sens. Deshalb findet man in dem Teil der Ausstellung, der diese Epoche behandelt, an der Wand die vergrößerte Abbildung einer Koranseite, ein Detail aus dem Abschnitt mit gesundheitlichen Belangen (Sura). Von den großen Persönlichkeiten der arabischen Medizin erwähnen wir Avicenna (980—1037); sein arabischer Name lautet Abu Ali Husain ibn Abdullah ibn Sina. Seine fünfbändige Arbeit Canon Medicinae ist das Meisterwerk der arabischen Scholastik. Dieses Werk war die Enzyklopädie der zeitgenössischen Medizin und diente auch noch im 17. Jahrhundert als Handbuch. Das ausgestellte Exemplar erschien 1658 in Lovañiųm (Leųven, Löwen). In der Budapester Universitätsbibliothek wird der um 1300 entstandene Kodex Cyrurgia cum formis instrumentorum des Abulkazim (etwa 912—1013) aufbewahrt, und dazu noch das am reichsten illustrierte Exemplar (Streckung des Rückenwirbels, knochenchirurgische Geräte usw.). Ein um 1295—96 gemaltes Exemplar der berühmten Arbeit Misne Tora (1180) des berühmten jüdischen Arztes der westlichen arabischen Welt Maimon¿des (1138—1204) — sein arabischer Name lautet Mose Majmuni — befindet sich im Eigentum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Es handelt sich um eine Zusammenfassung der biblischen, talmudischen und nachtalmudischen Religionsgesetze und Lebensvorschriften (circumcisio usw.). 5. Die Medizin im Europa des Mittelalters Die andere große medizinische „Richtung" des Mittelalters neben der Medizin der islamischen Völker war die Heilkunde der Scholastik (bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts). Als deren Teil wird im allgemeinen die Klostermedizin unterschieden (6.—12. Jahrhundert). In dieser Zeit gehörte auch die Pflege und Hei45 lung der Kranken zur Tätigkeit der Mönchsorden. Die das Latein beherrschenden Mönche vereinigten ihre eigenen, auf dem Wege von Erfahrungen 34