Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 206-209. (Budapest, 2009)
ADATTÁR — DOCUMENTS - Kapronczay, Katalin: Orvostörténeti vonatkozású kéziratok Luigi Ferdinando Marsigli (1658-1730) hagyatékából
244 Comm. de //ist. Artis Med. 206- 209 (2009) Verwirklichung der militärischen und Ingenieuroffiziers-Aufgaben. Er ging nicht ahnungslos an den Kulturschätzen vorbei, und hatte ein Auge für Naturreichtümer, sein Interesse zogen Raritäten, Gegenstände an, die er beschrieb, zeichnete, sammelte und systematisierte. Als buchhistorische Sonderheit darf erwähnt werden, dass er noch die Reste der berühmten Corvina-Bibliothek sah, und auf seinen Vorschlag die relativ vollständig erhalten gebliebenen Bände nach Wien, in die kaiserliche Bibliothek geliefert wurden. Er war es, der 1690 einen der berühmtesten und wertvollsten sekler Stäbchen-Kalender in Runenschrift fand. Er verfertigte gewölbte Landkarten über mehrere Landschaften Ungarns, maß, zeichnete industrielle Kunstdenkmäler, mit denen er während seiner Wanderschaft in Berührung kam. Nur auf Grund dieser seiner Beschreibungen und Handzeichnungen kann man sich ein Bild über die zeitgenössischen Besonderheiten der oberungarischen Grubentechnik machen. Genaue Zeichnungen und Skizzen verfertigte er über die türkischen Bäder in Ofen, sowie über die Bauraritäten der römischen Zeit, die an der Donau entlang aufrecht erhalten blieben und archäologisch frei gelegt werden konnten. Von den zahlreichen seiner gedruckten Werken zeigen die folgenden ungarische Beziehungen auf: Danubius operis prodromus (Nürnberg, 1700), Danubius pannonico-mysius (Amsterdam, 1726), im letzten Werk - in den wuchtigen 6 Bänden - stellt er sehr genau und umsichtsvoll, mit seinen eigenen Zeichnungen versehen, die Flora Ungarns vor. Seine ziemlich breit angelegte wissenschaftliche Tätigkeit ist schwer zu charakterisieren. Der bereits abgegriffene Ausdruck „uomo universale" schickt sich dazu die wahre Persönlichkeit des Soldaten festzuhalten, der in seiner Umgebung auftauchende wichtige Momente gewahr nahm und registrierte. Es kann vielleicht nicht allgemein bekannt sein, dass in seinem umfangreichen handschriftlichen Nachlass auch medizinische Werke vorkommen. Ein Teil davon behandelt seine eigenen Krankheiten, Verletzungen und Verwundungen. Die Rückerinnerungen und Korrespondenz, die zwar subjektive, doch genaue Krankheitsbeschreibungen beinhalten, vermitteln auch wertvolle Beiträge aus der medizinischen Praxis jener Zeit. Die Verletzungen und Krankheiten von Marsigli Die Jahre zwischen 1683 und 1684 brachten viele Heimsuchungen für Marsigli, die ihn aber nicht von seinem kaiserlichen Dienst abschreckten. Auch die Möglichkeiten der Studierung der ungarischen kulturellen und historischen Gegebenheiten stellte er sich als Aufgabe, die ihn in seinem alltäglichen Handeln nicht beschränkten. 1683 verteidigte er die sumpfigen Gebiete des Raab-Flusses dem türkischen Großvezir gegenüber, der mit seinen tatarischen Horden dort grassierte. Seine ungarischen Begleiter traten zu dem Feind über, Marsigli wurde während der Schlacht an seinem Oberschenkel und Hüften verwundet, und fiel deshalb am 2. Juni in Gefangenschaft. In seinen Memoiren und Briefen klagt er, dass die Ungarn „unzuverlässig" sind, die all das verschuldeten, und Ursache der tragischen Wende seines Schicksals wurden. Die Tataren brachten ihn zuerst ins Lager bei Raab, wo man ihn für 17 Taler dem Pascha von Temesvár verkaufte. Er wurde einer Folter unterzogen, konnte doch glaubhaft machen, dass er bloß der Diener eines venezianischen Kaufmannes sei, und dadurch in die Kaffeeschenke des Lagers kam. Auch hier äußerte sich sein großes Interesse, das ihn in jeden Umständen und allen Möglichkeiten charakterisierte. Auf Grund der hiesigen Erfahrungen verfasste er die Studie über den Kaffee, und seine Wirkung