Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 202-205. (Budapest, 2008)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK — COMMUNICATIONS - SIMON, Frantisek - STEGER, Florian: Simulation in der Antike II. -Literarischer Fundus. - Szimuláció az antikvitásban - Irodalmi látlelet
Non est haec tussis, gula est. (Das ist kein Husten, das ist Feinschineckerei). Im Epigramm II, 40 hat Tongilius angeblich Fieber, und er soll mit verschiedenen Speisen und Weinen behandelt werden, die Ärzte haben auch Baden angeordnet. Martialis meint: O stulti, febrem credit is esse? Gula est. (O ihr dummen, glaubt ihr, dass es Fieber ist? Feinschmeckerei ist das). Die beiden letzten Beispiele haben einen sexuellen Inhalt. Im Epigramm 11,7 macht Martial eine unanständige Frau darauf aufmerksam, dass die Zeiten sich verändert haben, dass jetzt in der Mode Penelope, d. h. eine treue Frau, ist. Wenn sie den Mann betrügen will, soll sie sich nicht solche Ausreden ausdenken, wie dass sie ihre Freundin besuchen muss, da diese krank sei, oder dass sie mit der Freundin zu Kur gehen muss, da diese hysterisch sei. Martial empfiehlt ihr, sie soll gleich dem Mann sagen, was sie will: Quanta tu melius, quoties placet ire fututum, Quae verum mavis dicere, Paula, virol (Paula, jedesmal wenn du Lust auf Ficken bekommst, um wie viel besser wäre es,wenn du dem Mann die Wahrheit sagst!). Das letzte Epigramm 11,71 ist durch seine Kürze und ein Wortspiel meisterhaft. Leda, eine junge Ehefrau eines Greises, beschwert sich, dass sie durch Mangel an Sex hysterisch wird. Sie klagt, dass sie lieber stirbt als dem Ehemann untreu zu sein. Der Greis bittet sie, sie soll nur leben und erlaubt ihr das, wozu er keine Kraft mehr hat: accedunt medici medicaeque recedunt o, medicina gravis (Die Ärzte treten heran, die Ärztinen treten ab. o, was für eine schwere Medizin). Der Autor hat ein Verb cedere (treten) mit zwei verschiedenen Präfixen verwendet, accedere - herantreten, recedere - abtreten und zwei Wörter mit demselben Stamm, medicus - Arzt, medica - Ärztin, Pflegerin/ um die prinzipielle Veränderung in der Behandlung auszudrücken. Sie wird jetzt von den Männern durchgeführt, nicht von Frauen, wie es damals bei Frauenkrankheiten üblich war. Auch ernste Männer, Politiker, Juristen, Philosophen, wenden allerdings die Simulation bei der Lösung ihrer Probleme an, es handelt sich dann aber meistens um keine harmlose Sachen. Erwähnen wir zwei zwei Stellen aus römischen Historikern. Drusus, Sohn des Germanicus, täuschte sterbend Unzurechnungfäligkeit (alienatio mentis, dementia) vor und bannte dabei Tiberius (Tacitus, Ann.6,24). Otho bereitete Verschwörung gegen Galba vor, 3 Zur Übersetzung des Wortes medica siehe Simon, F.. Kann maia als „lady doctor" übersetzt werden. In: Terminológia, 2003.56-58.