Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 200-201. (Budapest, 2007)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK — COMMUNICATIONS - FONYÓ, Attila: Deutsche Medizinstudenten in Ungarn. Einblick in die 1980-er Jahre - Német orvostanhallgatók Magyarországon. Pillantás a nyolcvanas évekbe

der zwei Staaten, absolviert. Die Studenten wurden in der DDR ausgewählt; sie wohnten zusammen, betreut (und wahrscheinlich sorgfältig kontrolliert) von ihren Landsleuten. Das Studium in den achtziger Jahren war aber eine ganz andere Angelegenheit: Freiwil­lige aus dem deutschen Sprachgebiet haben sich beworben, um in Budapest Medizin zu studieren. Die Frage stellt sich, warum gerade Budapest, oder kann man vielleicht be­haupten, Ungarn hat sich entschlossen, deutsche Studenten aufzunehmen - was waren die Gründe, die kurz- und langfristigen Interessen des Landes, die dazu geführt haben, und zwar sechs Jahre vor der Wende. Was folgt, war ein einmaliges Zusammenspiel von harten wirtschaftlichen Tatsachen und Zufallen persönlichen Charakters. Beginnen wir mit der damaligen wirtschaftlichen Lage von Ungarn. Im Jahre 1982 war die Staatskasse in Ungarn praktisch leer, konvertible Devisen („harte Währung") waren überhaupt nicht vorhanden. Um nur ein kleines Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrung als Institutsdirektor zu erwähnen: die Abonnierung west­licher wissenschaftlicher Zeitschriften wurde eingestellt (ohne die Institute darüber zu be­nachrichtigen), und zwar nicht aus politischen Gründen, sondern wegen totalem Devisen­mangel. Jetzt kommt der Zufall. Ein (relativ) junger Ingenieur (er war Anfang vierzig) von der Technischen Universität, der auch politisch aktiv war, mit guten Kontakten zu der höchsten Führung, wurde aus rein fachlichen Gründen zu einer Konferenz in die Bundesrepublik eingeladen. Dort wurde er von einem aktiven Professor der Heidelberger Universität angesprochen und gefragt, ob er seiner Tochter zu einem medizinischen Studienplatz in Budapest verhelfen könnte. Da der ungarische Gesprächspartner die Fragestellung zunächst überhaupt nicht verstand, warum ein Studienplatz Medizin ein Problem sein könnte, erklärte ihm der Heidelberger Mediziner, dass es in der Bundesrepublik einen numerus clausus im Medizinstudium gibt, und zusätzlich, dass die Studienplätze ausschließlich durch einen zent­ralen Computer verteilt werden (ZVS), und es gibt keinen Weg, den Computer zu umgehen. Dem ungarischen Ingenieur ging bald ein Licht auf, und als er in Budapest ankam, suchte er seinen Bekannten, einen der sehr mächtigen Politiker, mit dem er im selben Haus wohnte, auf. Er teilte dem Politiker mit, was er in Deutschland erfahren hat, und schlug ihm die Ausbildung der Studenten aus dem Westen gegen Devisenbezahlung, als ein Mittel gegen den Devisenmangel, vor. Der Politiker wurde nach kurzer Bedenkzeit zum Partner, musste sich jedoch den damaligen Spielregeln fügen. Er bat also seinen Vertrauten, zusammen mit dem damaligen Leiter der kulturellen Abteilung der Partei, die Angelegenheit für das höch­ste politische Gremium schriftlich auszuarbeiten. Das erste Problem zu lösen galt es, das Politbüro von der wirtschaftlichen Bedeutung, und was noch wichtiger war, von der politischen „Harmlosigkeit" des Planes zu überzeugen. Es war kein Geheimnis, dass die Partei eigentlich niemals wirklich einheitlich war. Verein­facht, es war ein Flügel, der flexibel war und mit dem man „sprechen konnte", aber - mit wechselnder Stärke - eine, nur auf die Sowjetunion blickende Gruppe der „harten Linie", deren Hauptbeschäftigung es war, die „milde Linie" zu stürzen. Letztere äußerte ihre Be­denken gegen diesen beunruhigenden Plan. Die Hilfe kam außerhalb des Politbüros: der damalige Gesundheitsminister, eine hochgebildete und weitsichtige Person, mit starker Bindung an die deutsche Kultur (er war übrigens kein Mitglied der engeren oder breiteren Parteiführung), erklärte seinen Bekannten im Politbüro, dass es ein Lebensinteresse Un­garns und der ungarischen Kultur sei, sich vom Westen nicht abgrenzen zu lassen, viel mehr

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