Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 200-201. (Budapest, 2007)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK — COMMUNICATIONS - FONYÓ, Attila: Deutsche Medizinstudenten in Ungarn. Einblick in die 1980-er Jahre - Német orvostanhallgatók Magyarországon. Pillantás a nyolcvanas évekbe
DEUTSCHE MEDIZINSTUDENTEN IN UNGARN: EINBLICK IN DIE 1980-ER JAHRE 1 ATTILA FONYÓ 2 Vor allem möchte ich dem Humboldt-Verein Ungarns für die Auszeichnung und Herrn Professor Dr. Rudolf de Chatel für die freundliche Einführung danken. Am Ende meiner akademischen Laufbahn ist es für mich wirklich ergreifend, dass eine äußerst wichtige Periode meiner Tätigkeit auch nach so vielen Jahren von Ihrem Verein nicht vergessen und mit einem Preis gekrönt wird. Ich danke Ihnen allen, Bekannten sowie Unbekannten, die mich heute hier mit Ihrer Präsenz ehren. Wie Sie eben gehört haben, bin ich von meiner Ausbildung her Mediziner. Obwohl ich einst in der Forschung und Lehre aktiv war, möchte ich heute doch nicht über meine längst abgeschlossene Tätigkeit berichten, sondern über meinen, für mich sehr interessanten und herausfordernden Ausflug in die ungarische Hochschulpolitik der achtziger Jahre. Wie vom Herrn Professor de Chatel erwähnt, besteht an der Semmelweis Universität seit 1983 eine deutschsprachige medizinische Ausbildung. Die Entstehung dieses Studienganges, eingebettet in die damaligen ungarischen Verhältnisse, ist Thema meines Vortrages. Mein Bericht besteht aus zwei Teilen: den ersten Teil, den politischen Hintergrund betreffend das Jahr 1982, kenne ich größtenteils aus Gesprächen, die ich später, manchmal sehr viel später, mit damals aktiven Politikern geführt habe; es ist eine Art „oral history" was sie jetzt hören werden. Am zweiten Teil habe ich selbst aktiv mitgewirkt, manchmal ins Rampenlicht gestellt, obwohl ich nur einer der Mitwirkenden war. Ein Vorbild für eine deutschsprachige Ausbildung war da: die Universität in Budapest hatte 20 Jahre früher bereits Studenten aus der damaligen DDR in deutscher Sprache ausgebildet, und zwar aus dem Grund, dass die Lehrkräfte - aus bekannten Gründen - ihr Land verließen und in den Westen emigrierten. Während der Jahre von 1959 bis 1965 haben ungefähr 300 Studenten ihre präklinischen Jahre in Budapest, auf Grund einer Vereinbarung 1 Vortrag anlässlich der Entgegennahme des Ungarischen Humboldt-Preises der Stiftung der Ungarischen Humboldt-Stipendiaten am 5. Mai 2007 im Goethe Institut, Budapest 2 Geboren 1927 in Budapest. Medizinstudium von 1945 bis 1951 in Budapest. Bereits als Student Mitarbeiter des Physiologischen Institutes der Universität. 1975 Professor, von 1981 bis 1995 Direktor des Physiologischen Institutes der Semmelweis Universität; als professor emeritus bis heute dort tätig. Forschungsgebiet Zellphysiologie, wissenschaftliche Tätigkeit auch in Deutschland, in den USA, Italien, England und Frankreich. 1983 Organisation des deutschsprachigen Studienganges an der Universität. Von 1985 bis 1991 Dekan der Medizinischen Fakultät. Autor des Werkes „Lehrbuch der Medizinischen Physiologie" (in ungarischer Sprache, erschienen zwischen 1997 und 2007 in vier Auflagen).