Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 196-197. (Budapest, 2006)
KÖZLEMÉNYEK — COMMUNICATIONS - KILLYEN, Hansgeorg von: Neue Daten zu Studien- und Wirkungsorten siebenbürgisch-sächsischerArzte im Zeitraum 1870-1936
B. Die postuniversitären Migrationen der Mediziner Was aus meiner Perspektive die Migrationsstudien bislang weniger erfasst hat, sind die postuniversitären Bewegungen, also die unterschiedlichen Wirkungs — und Arbeitsplätze der Mediziner nach Abschluss ihrer Ausbildung. Da eine solche Studie mehr Quellen benötigt, z. B. die Biographien der Ärzte, sind diese Recherchen aufwändiger und nur exemplarisch darzustellen. Zahlreiche Arbeiten über siebenbürgisch-sächsische Mediziner und Apotheker, die im Ausland berühmt wurden, die große Reisen unternommen haben oder ihren Beruf an namhaften Orten durchführten, sind gut bekannt, z. B. über den Kronstädter Apotheker, Arzt und Weltreisenden Johann Martin Honigberger (1795-1869) 13 . Um dieser postuniversitären Migration exemplarisch nachzugehen, habe ich die Kurzbiographien Kronstädter und Burzenländer Ärzte, wie sie zusammengefaßt in Publikationen von Eduard Gusbeth enthalten sind, untersucht. Der Kronstädter Arzt und Medizinhistoriker Eduard Gusbeth (1839-1921) war wohl einer der wenigen, wenn nicht der einzige siebenbürgisch-sächsische Arzt seiner Zeit, der sich lebenslang historiographisch beschäftigt hat. Valeriu Bologa charakterisiert Gusbeth als einen stillen, bescheidenen und sehr fleißigen Menschen, dessen Bekannthcitsgrad unter den Kronstädtern nicht allzu groß war, der aber recherchierte und aufschrieb und der Nachwelt wichtige Daten über die Sanitätsverhältnisse und ihr Personal seiner Heimat hinterlassen hat. 16 Besonders sein 73 Seiten umfassende Veröffentlichung mit dem Titel „Das Sanitätspersonal in Kronstadt und aus dem Kronstädter Komitate in den Jahren 19011910", enthält die von ihm gesammelten Biographien von Ärzten, Apothekern und Tierärzten aus der genannten Region. In dem mir zu Verfügung stehenden Exemplar - es war das Privatexemplar des Dr. Gusbeth, das später in den Besitz von Dr. Arnold Huttmann überging - sind wertvolle Randnotizen von beiden Historikern handschriftlich dazugefügt. Aus dieser Publikation seien folgende Mediziner, deren postuniversitäre Migration außergewöhnlich war, genannt: Dr. Arthur Soterius v. Sachsenheim, geboren 1852 in Békéscsaba, war von 1885 bis 1889 Kreisarzt in Marienburg und anschließend Assistenz- bzw. Sekundararzt im FranzJoseph-Spital in Hermannstadt. 1904 wurde er Primarius der inneren Abteilung dieses Krankenhauses. Er hat zahlreiche Studienfahrten und Reisen unternommen, z.B. 1895 eine Fahrt nach Spitzbergen, die er 1896 aus Anlass der Andreeischen Luftballon-Expedition wiederholte. 1897 weilte er auf einem Ärztekongress in Moskau, ein Jahr darauf In Madrid, wobei er von dort ganz Spanien bereiste. 1906 besuchte er Ägypten und Palästina, 1908 war er vier Monate in Algier. 1909 ging er als Schiffsarzt auf dem Dampfer „Altonia" der Cunard-Linie in ihrer Fahrt nach New York. Seine Reisebeschreibungen veröffentlichte er später in der lokalen Presse Siebenbürgens. 13 Huttmann, A.: Apotheker und Weltreisender. Aus dem Leben und Werk J. M. llonigbergers (1795 - 1869). In: Neuer Weg, Nr. 5017, Bukarest, 1965. 16 Bologa, V.- Gusbeth, 11 In. Archiv zur Geschichte der Medizin Bd. 18, I, Leipzig, 1926, S. 107-109; Huttmann, A.: Der Kronstädter Arzt und Medizinhistoriker Eduard Gusbeth (1839-1921). In: Medizin im alten Siebenbürgen, flora, Hermannstadt, 2000, S. 399-413; fluttmann. A.: Kronstadts medizinisch-pharmazeutische Bibliographie der Jahre 1530-1930. München. 2000.