Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 194-195. (Budapest, 2006)

TANULMÁNYOK — ARTICLES - NEMES, Csaba: Beiträge zur Wechselbeziehung der deutschen und ungarischen Heilkunde im historischen Kontext

Durch das Versailler Friedensdiktat oder den Schuldspruch vom 1919-1920 verlor Ungarn zwei Drittel seiner Hoheitsgebiete, ein Drittel seiner ungarischen Bevölkerung, die reichsten Städte, fast alle Bergwerke. Sein Straßen- und Bahnnetz wurde amputiert, die Universitäten in Preßburg und Klausenburg geschlossen. Dennoch ließ sich durch die kluge Kulturpolitik des Grafen Kuno von Klebeisberg (1875-1932) bis Mitte der dreißiger Jahre eine Stabilisierung und der Neuausbau des Unterrichtswesens bis auf die neu errichteten Universitäten in Pécs (aus Pozsony) und Szeged (aus Kolozsvár, Klausenburg, Cluj) erreichen. Dank diesem reformierten Unterrichtswesen und den besten internationalen Kulturbeziehungen von Klebelsberg kam Ende der 20er Jahre erneut zur Belebung des Wissenstransfers zwischen Ungarn und den deutschsprachigen Ländern. Als Zeichen dafür hielt die Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften (DGGMN) im September 1929 ihre Jahrestagung in Budapest ab. Auf dieser Tagung würdigte Sudhoff, welcher Györy's Besuch in Budapest schon 1925 erwiderte, das Lebenswerk Semmelweis' und seine epochale Bedeutung für die universelle Medizingeschichte: „Als Entdecker oder Erfinder ist nicht der anzusehen, der mit Gedanken an die Sache streifte, sondern lediglich, wer zielbewußt auf Grund von Experimenten den Gedanken verbreitet und in wissenschaftlicher Form den Beweis der Wahrheit gründlich erbracht, die Idee so siegreich und nachhaltig verfochten hat, daß jeder Zweifel verstummen mußte'' Den vielversprechenden bilateralen deutsch-ungarischen Beziehungen, - insitutionellen wie auch persönlichen, - setzte die Annexion Ungarns durch das Sowjetimperium (1945­1989) abrupt ein Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde neben dem römischen Collegium Hungaricum auch das Berliner Ungarische Institut geschlossen. Unter kommunistischem Terror der 50er Jahre kam die universitäre Grundlagenforschung durch staatliche Gängelung fast vollständig zum Erliegen. Oder wurden die Ergebnisse totgeschwiegen. An den Universitäten wurden ab 1959 das sowjetische Muster kopiert. Lediglich die institutionellen Kontakte für einige Großprojekte zwischen Ungarn und der DDR blieben bestehen. ///. Teil: Kulturelle und institutionelle Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Ungarn nach 1989 Noch 1989 betrug den Anteil ungarischer Studenten an den ostdeutschen Universitäten 17,4%, weniger als aus Polen, CSSR oder UdSSR, während nur 3,4% der Studenten an ungarischen Universitäten und Hochschulen aus der DDR kamen. Dabei spielte die Heilkunde praktisch keine Rolle. Von den Forschungsthemen der sozialistischen Länder im Planzeitraum 1986-1990 war die Medizin lediglich insgesamt mit 2,3% vertreten; dabei Ungarn mit 0%! Erfreulicherweise konnten die Wissenschaftsbeziehungen beider Länder in der Medizin, Naturwissenschaft und der Technik ab den 80er Jahre nach und nach wiederbelebt, und nach dem Jahr der Wende 1989 in ganz erheblichem Maße erweitert werden. Die Grundlage hierfür bildete das „Abkommen über Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung", das sog. WTZ-Abkommen, erstmals umgesetzt am 7. 10.

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